Filmkritiken

Filme von Leos Carax:

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265 Kritiken online

Seit dem 21.12.2003
Hits

„Die Liebenden von Pont-Neuf“

 Filmkritik   DVD-Infos   Filmdaten   Lesermeinungen 

PRO: tolle schauspielerische Leistungen, wunderschöne Momente
CONTRA: andererseits oft völlig absurd
CONTRA: Texte im Film nicht ins Deutsche übersetzt

Handlung:
Der Film beginnt zunächst abstoßend und ungeschminkt. Der Obdachlose Alex (Denis Lavant) bricht sich ein Bein, als er völlig betrunken mitten auf der Straße ohnmächtig wird. Die Wohlfahrt sammelt ihn auf und er kann die Nacht in einem Heim verbringen. Traurige Bilder dreckiger, geschundener Menschen dominieren diese Szenen.
Als er wieder gesung ist, kehr er wieder zurück nach hause - auf die ältesten Brücke von Paris, die Pont-Neuf. Die Brücke ist für 2 Jahre wegen Reparaturarbeiten geschlossen.
Eines Tages trifft er dort auf Michele (Juliette Binoche, „Chocolat“). Die hübsche junge Frau Mitte 20, ist auf der Flucht. Wovor, das ist zunächst nicht klar. Aber die junge Frau trägt einen Augenverband. Sie erblindet langsam, erzählt sie Alex. Der interessiert sich sofort für Michele und versucht, mehr über sie herauszufinden.
Alex verdient sich mit Feuerschlucken seinen Lebensunterhalt. Hans, ein verbitterter alter Mann, der ihn mit Drogen versorgt, lebt ebenfalls auf der Pont-Neuf. Er will die Frau auf „seiner“ Brücke nicht haben. „Frauen die auf der Straße leben, werden geschlagen und vergewaltigt. Alex und ich können so leben aber nicht eine junge Frau wie Du. Verschwinde hier und lebe!“, rät er Michele. „Aber sie ist krank. Nur ein paar Tage“. Zähneknirschend willigt Hans ein.

Es entwickelt sich eine Beziehung zwischen Michele und Alex, die durchaus romantische Momente hat. So ist das nächtliche Feuerwerk und die Wasserskifahrt auf der Seine schon ein großes Highlight des Filmes. Einem bisschen Liebesgeschichte steht jedoch viel Drama gegenüber. Eigentlich fragt man sich permanent, was Michele an Alex findet, einem Mann so völlig ohne Charakter und Persönlichkeit, der lieber in Micheles alte Wohnung einbricht, als sie direkt etwas zu fragen.
Michele malt (die Zeichnungen im Film stammen übrigens von Juliette Binoche), aber durch ihre Augenkrankheit kann sie das bald nicht mehr. Alex bestärkt sie darin auch nicht, es scheint ihm egal zu sein. Michele gibt sich einem Leben wie dem seinen hin. Die beiden trinken und stehlen und die Zeit geht ins Land. Alex ist selbstsüchtig und nur der Zufall will es, dass er nicht ein ums andere mal Micheles Leben zerstört.
Für Alex gibt es nichts anderes als die Welt, in der er jetzt existiert. Er will nicht ausbrechen. Später, als er und Michele zusammen etwas Geld auftreiben und ans Meer fahren, kann er es nicht erwarten, zurück zu seiner Brücke zu kommen und danach treibt ihn diese Angst vor Veränderung noch zu weiteren schwerwiegenden Taten.
Filmkritik:
Der Film macht es dem Zuschauer nicht leicht. Hat er mir gefallen? Ich weiß nicht so recht. Trotzdem geht mir vieles, was ich gerade gesehen habe, nicht recht aus dem Kopf und regt zum Denken an. So schlecht kann er also nicht sein.
Juliette Binoche hat wieder einmal eine grandiose Ausstrahlung, aber über ihre Figur Michele weiß man einfach zu wenig. Wovor läuft sie eigentlich genau weg? Ihr Liebhaber hat sie verlassen, aber war denn da sonst gar nichts mehr?
Alex ist ein Obdachloser wie sie. Er kennt die Gesetze der Straße und ist ein brutaler, drogensüchtiger, ständig betrunkener Psychopath. Aber er sehnt sich auch nach Liebe und Zärtlichkeit, etwas dass er laut Hans, dem bärbeißigen alten Obdachlosen, nie haben kann, weil „man dafür ein Bett braucht und keinen Wind, der einem um die Ohren pfeift“.
Hans hat seine eigene Geschichte, eine sehr traurige, die er erst später Michele anvertraut, als er Vertrauen zu ihr gefasst hat. Der alte Mann hat 30 Jahre ein normales Leben gelebt, jetzt dealt er mit Drogen und fristet seinen Lebensabend auf einer gesperrten Brücke. Immer wieder merkt man, dass sich hinter seiner verbitterten Fassade ein Mensch verbirgt, den seine Umwelt geprägt hat und der nicht immer so war.

Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank sehr gut. Juliette Binoche beweist Mut zur Hässlichkeit, aber auch ihr Outfit als graue Maus kann ihre Ausstrahlung nicht verdecken. Denis Lavant ist ein Unsympath wie er im Buche steht und Klaus-Michael Gruber überzeugt ebenfalls sehr in seiner Rolle.
Der Film bietet viele schöne Bilder, etwa die beim Feuerwerk oder am Meer. Sie stehen aber im harschen Kontrast zu anderen Szenen, die die nackte Realität zeigen. Die Filmmusik ist eine seltsame Mischung als ungeschliffener französischer Geigenmusik, Walzerthemen und Popmusik. Auch der Schnitt des Filmes wirkt oft etwas befremdlich. An vielen Stellen setzt der Ton einer neuen Szene deutlich vor dem Bildschnitt ein.

Produktionstechnisch war der Film ein Fiasko. Die Dreharbeiten verzögerten sich, da sich Hauptdarsteller Denis Lavant ein Bein brach. Inzwischen lief die Drehgenehmigung aus und die Brücke musste nun anderswo als Kulisse nachgebaut werden. Als der Film endlich fertig war, war die Meinung der Kritiker gespalten. Erst durch das Engagement von Martin Scorsese kam der Film mit acht Jahren Verspätung auf den amerikanischen Markt.

Ein trostloses Bild zeichnet Regisseur Leo Carax hier von der Jugend. Junge Leute, in der Blüte ihres Lebens, die sogar Begabungen besitzen wie Michele werfen ihr Leben weg. Außerdem wird der Film mit fortlaufender Dauer immer absurder. Ja, „wo die Liebe hinfällt…“ könnte man sagen und vieles von dem was Alex tut, weiß Michele ja nicht, aber trotzdem: Kann man sich bei diesem Film als Zuschauer wirklich ein Happy End für die beiden wünschen?
So schwankt der Film zwischen tollen und völlig absurden Momenten, Realität und übertriebener Theatralik und sitzt damit irgendwie zwischen den Stühlen. Das Ende ist dann noch einmal eine derbe Enttäuschung.
Bildqualität:
Das Bild der DVD ist unterdurchschnittlich. Vor allem die Kompression hat Schwierigkeiten mit dem Material, immer wieder gibt es nicht nur stehende Rauschmuster sondern auch richtige Kompressionsartefakte. Vor allem bei schnellen Bewegungen verschwimmt das Bild, Details sind kaum noch erkennbar. Schärfe und Schwarzwert sind gut, die Farbwiedergabe ist natürlich und dem Film entsprechend.
Tonwertung:
Der Ton liegt in deutsch und englisch in stereo vor und ist sehr unspektakulär. In weiten Teilen klingt der Film wie mono, um dann doch hier und da bei Musik oder Alex Feuerschlucken zumindest auf den vorderen Kanälen etwas räumlicheren Klang zu präsentieren.
Qualitativ ist der Ton zwar in Ordnung und unterscheidet sich auch in der deutschen und französischen Fassung nur unwesentlich, mehr als TV-typischen Klang mit geringer Dynamik und ohne tontechnische Finessen bekommt man jedoch nicht geboten.
Bonusmaterial:
Die DVD bietet leider außer dem originalen Kinotrailer keine Extras. Schade, schade, … gerade bei solch einem Film wäre ein Audiokommentar oder wenigstens begleitendes Material wünschenswert gewesen.
Ein weiterer großer Schwachpunkt liegt darin, dass es zwar deutsche Untertitel gibt, diese jedoch die französischen Texttafeln im Film nicht übersetzen. Dies tut die deutsche Tonspur auch nicht. Zum Verständnis des Filmes ist es aber notwendig, zumindest die Briefe und die Plakate im Film lesen zu können. Dies kann man auf dieser DVD nur mit Französischkenntnissen.
Gesamturteil:
Leo Carax’ Liebesdrama bietet grandiose darstellerische Leistungen, allen voran die von Juliette Binoche („Die englische Patient“). Handlungsmäßig ist der Film jedoch ein zweischneidiges Schwert: auf wunderschöne folgen abstoßende Momente, auf ungeschminkte Wahrheit völlig absurde Wendungen. So wird der Film auch die Meinungen der Zuschauer spalten.
Die DVD bringt keine Extras mit, bietet den Film jedoch im Originalbildformat und inklusive O-Ton. Allerdings sind die oft wichtigen Texte im Film (Tafeln, Briefe, etc.) weder in den Untertiteln noch in der deutschen Tonspur übersetzt worden.
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


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Amants du Pont-Neuf, Les (1991)

Regie: Leos Carax
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