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265 Kritiken online

Seit dem 21.12.2003
Hits

„Was tun wenn's brennt“

 Filmkritik   DVD-Infos   Filmdaten   Lesermeinungen 

PRO: Film ist inhaltlich, ausstattungsmäßig und schauspielerisch ein echtes Highlight
PRO: sehr gutes Bild, exzellenter Ton
PRO: umfangreiche, engagiert aufbereitete Extras
CONTRA: Interviews sehr kurz, Making Of geht nicht genug ins Detail

Handlung:
6 Freunde aus der Hausbesetzerszene haben in den 80ern den Aufstand geprobt, in einer WG gelebt und „Lehrfilme“ über das Bombenbasteln gedreht. Die fertige Bombe schien nicht zu funktionieren, aber dummerweise geht sie 12 Jahre später durch Zufall doch noch hoch, als die leer stehende Villa, wo sie deponiert war, wieder genutzt werden soll. Nun müssen sich die Freunde von damals wieder zusammentun, um ihre Spuren zu verwischen. In 12 Jahren ist jedoch viel passiert …
Filmkritik:
Mit gemischten Gefühlen habe ich die DVD in den Player gelegt. Nach vielen positiven Dingen, die ich über den Film gehört hatte, blieb doch ein Rest Skepsis. Der deutsche Film hat es nicht leicht. Die meisten Zuschauer stört es vor allem, immer nur die gleichen Gesichter zu sehen und auch sonst pendelt der deutsche Film meist zwischen peinlichen Prollkomödien und amerikanischem Abklatsch. Wie überall möchte kaum ein Produzent ein Risiko eingehen.
Was tun wenn’s brennt“ hat mich in fast jeder Hinsicht sehr positiv überrascht. Es handelt sich eben nicht einfach um den „nächsten Til Schweiger - Film“, sondern um ein Werk, das eine tolle Story vor dem Hintergrund deutscher Geschichte erzählt. Was in den Interviews auf der DVD immer wieder betont wird, nämlich dass es sich um einen Ensemble-Film handelt, ist wirklich wahr. Den 6 Protagonisten kommt allen eine große Bedeutung zu und jeder der Darsteller kann in seiner Rolle voll überzeugen. Der Film hat es einfach nicht nötig, ein Star-Vehikel zu sein. Neben Schauspielgrößen wie eben Til Schweiger und Klaus Löwitsch präsentieren sich frische, unverbrauchte Gesichter und jeder von Ihnen hat seine Geschichte.

Der Vorspann zeigt das Corpus Delicti, nämlich einen Super-8-Film, verkratzt und mit wilder Montage. Die 6 Freunde und andere liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Tim alias Til Schweiger sieht als Autonomer aus wie ein Campino-Clone (Die Toten Hosen), Nele wirft Torten auf die Polizisten und Maik schreit irgendetwas durch ein Megaphone. Der Spaßfaktor ist hier schon recht hoch.
Auch bei der Story wurden meine Erwartungen voll erfüllt. Als ich die Inhaltsangabe zum Film las, habe ich unweigerlich an Parallelen zur Politik denken müssen. Wie leicht ist es doch für eine kleine Partei, in der Opposition zu sein und einfach GEGEN alles zu sein, was die Regierung beschließt, aber wenn man dann selbst an der Regierung ist, muss man auf einmal lernen, auch einmal FÜR etwas zu sein. Aus Nörglern und Blockierern müssen Entscheider werden. Manche bringen es nie so weit und andere, die es schaffen, müssen sich vorwerfen lassen, ihr Ideale verraten zu haben.
Natürlich handelt es sich um einen Unterhaltungsfilm, der meist locker flockig daherkommt und nie langweilig ist. Dennoch gibt es durchaus ernste Untertöne, nach und nach wird aufgedeckt, wie es dazu kam, dass der im Rollstuhl sitzende Hotte (Martin Feifel) keine Beine mehr hat und auch der Lebensstil von Tim (Til Schweiger) wird kritisch hinterfragt. Während alle anderen ihren Platz im Leben gefunden haben, ist er als Einziger an Hottes Seite geblieben und hat sich in den ganzen Jahren nicht verändert.

Als es nun darum geht, die potentiell belastenden, von der Polizei beschlagnahmten Filmmaterialien wiederzubeschaffen, müssen die Freunde von damals wieder an einem Strang ziehen. „Aber ich werde keine Gewalt anwenden“ sagt Nele, heute Mutter von zwei Töchtern; „Ich habe nur bis Freitag Zeit“ wirft Flo ein, früher die Freundin von Tim; „Ich werde nichts tun, was in irgend einer Weise gegen geltende Gesetze verstößt“ spricht Terror, in den alten Filmaufnahmen mit schräger Punkfrisur zu sehen, heute Staatsanwalt; „Aber icke!“ entgegnet darauf Hotte und zieht sich seine Wollmütze übers Gesicht… Maik, heute erfolgreicher Unternehmer in der New Economy, aber noch immer so verrückt wie eh und je, sieht das Ganze nach anfänglicher Ablehnung eher als willkommene Abwechslung.
So kombiniert der Film immer wieder treffsicher interessante Ideen mit Humor. Man erkennt Inspirationsquellen wie „Sonnenallee“, „Trainspotting“, „Mission: Impossible“ oder sogar „Kevin allein zuhaus“ und „Asterix“ wieder, was einen als Zuschauer jedoch nie verärgert, sondern aufgrund der Art der Adaption eher erfreut.
Die eine oder andere Kamerafahrt kennt man vielleicht schon aus anderen Filmen und eine toll in Szene gesetzte Hausexplosion bietet jeder 2. amerikanische Actionfilm. Hier sind jedoch Erzählrhythmus und Story dermaßen hochkarätig, dass die exzellente technische Umsetzung den Film einfach noch einmal zusätzlich aufwertet. Auch die Schnitt- und Montagetechnik (tolles Crosscutting als den Freunden nacheinander eröffnet wird, was sie erwartet) ist mir sehr positiv aufgefallen. Hier merkt man dem Regisseur seine Vergangenheit als Werbe- und Musikvideofilmer an, aber im positivsten Sinne.

Kleine Kritikpunkte gibt es natürlich. Die übertriebene Reaktion von Tim, als Flo nicht mitkommt (da möchte ich nicht näher drauf eingehen, damit es kein Spoiler wird) und die darauf folgenden Ereignisse sind wohl der einzige echte kleine Schwachpunkt im Script. Daran, dass man die Uniformen der Polizisten und die Farbe der Polizeiwagen geändert hat, habe ich mich nicht gestört. Das fällt uns in Deutschland wohl nur so auf, weil wir es nicht gewohnt sind. Filme aus anderen Ländern nehmen sich solche Freiheiten ganz sicher auch und die langweiligen tatsächlich existierenden Vorlagen hätten dem Film im Gegensatz wahrscheinlich tatsächlich geschadet. Auch dass die Polizei als etwas zu unfähig hingestellt wird, könnte man als Kritikpunkt werten. Im Film geht es jedoch an dieser Stelle nicht um Realismus. „Was tun wenn’s brennt“ ist in erster Linie ein Film über Freundschaft, Werte und darüber, wie man als ehemaliger Revoluzzer seinen Platz im Leben findet.

Am Ende des Filmes war ich ehrlich gesagt erstaunt, denn selbst das Finale enttäuschte nicht. Nach der Sichtung der nicht verwendeten Szenen und Interviews wurde mir dann erst richtig klar, wie konsequent man hier Fehlerquellen vermieden hat. Wäre Til Schweiger als Maik gecastet worden, dann hätte er nur einmal mehr den Sunnyboy gespielt und meine Sympathie dabei sicher nicht gehabt.
Das ursprüngliche Ende, welches auf eine ebenfalls gekürzte Schmalzszene aufbaut, wäre absolut unglaubwürdig gewesen und hätte den Film durch die Zwänge des vor allem bei amerikanischen Produktionen oft anzutreffenden doppelten und dreifachen Happy Ends vollkommen seiner Wirkung beraubt. Ebenfalls wieder sehr interessant ist es, wie selbst kürzeste geschnittene Szenen auch die Sympathiehaltung zu Personen und damit die Wahrnehmung der gesamten Geschichte verändern können.
Was tun wenn’s brennt“ ist ein echter Geheimtipp und macht wirklich Hoffnung für den deutschen Film.
Bildqualität:
An das Bild einer Big Budget Produktion aus 2001 muss man natürlich hohe Ansprüche stellen, diese kann die DVD jedoch auch voll befriedigen. Der Schwarzwert ist exzellent. Rauschen ist zwar mit Ausnahme von Nahaufnahmen ganz leicht vorhanden, das Bild liegt aber trotzdem auf sehr hohem Niveau und leidet nicht einmal bei dunklen Innenaufnahmen. Die Schärfe ist sehr gut und Dropouts sind bis auf wenige weiße Pixel fast keine vorhanden. Die Farbwiedergabe ist natürlich und nicht übersättigt. Insgesamt kann das anamorphe Cinemascope-Bild also vollkommen überzeugen.
Tonwertung:
Anders als bei „Anatomie“ (auch von der deutschen Columbia) wurde keine englische Synchro angefertigt, der Film liegt nur im deutschen Originalton vor. DTS gibt es leider nicht, die Dolby Digital 5.1 Spur kann jedoch vollkommen überzeugen. Die Stereofront ist herrlich breit, der Subwoofereinsatz gewaltig, Effekte und Musik beziehen alle Lautsprecher gleichwertig ein. Rauschen, Störgeräusche, unpassenden Hall oder sonstige Beeinträchtigungen sucht man hier natürlich ebenfalls vergeblich.
Die Musik besteht meist aus tollem Rock, die Score hat jedoch viele elektronische Elemente, die dann den Raumklang ganz exzellent ausnutzen. Die Auflösung und Ortbarkeit der Effekte ist dabei dermaßen gut, dass hier selbst mit einem DTS-Track kaum noch eine Steigerung denkbar wäre.
Bonusmaterial:
Bei den Extras hat man sich wirklich Mühe gegeben. Produzenten und Regisseur liefern einen interessanten Audiokommentar, der von der Recherche bis zur Produktion viele Aspekte abdeckt. Zusätzlich wurden noch einige Highlights des Kommentars als MultiAngle-Video abgelegt, wo man dann zwischen per Bild-im-Bild eingeblendeten Kommentatoren und Film hin und her springen kann, eine nette Idee. Der gesamte Kommentar wurde außerdem deutsch untertitelt.
Die animierten und vertonten Menüs der DVD orientieren sich am Look des körnigen Super-8-Streifens am Anfang des Filmes. Das kurze Rockmusik-Jingle, mit sie unterlegt sind, ist jedoch dermaßen nervig, dass man ständig versucht ist, irgendetwas anzuwählen, um das Menü nur so schnell wie möglich verlassen zu können.
Das 24-minütige Making Of ist leider gewohnt werbelastig und bietet neben Filmausschnitten und Interviewschnipseln nicht viel mehr als die üblichen Lobeshymnen. Es zielt eindeutig auf Leute ab, die den Film noch nicht gesehen haben und ist daher eher ein Appetitmacher als ein Making Of. Hier wäre mehr denkbar gewesen.
Das Musikvideo zum Film von Selig ist eine nette Dreingabe. Die nicht verwendeten Szenen sind, wie bereits in der Filmbesprechung erwähnt, recht interessant. Man hat außerdem noch die Möglichkeit, zu jeder Szene einen optionalen Audiokommentar des Regisseurs zu hören, der erläutert, warum man die Szene nicht verwendet hat. Zusammengeschnittene Outtakes mit einer Länge von etwa 6 Minuten wurden ebenfalls mit optionalem Audiokommentar unterlegt.
Wenn man die Biografien der Schauspieler und des Regisseurs anwählt, wird zu jedem eine ausgewählte Filmografie als Texttafel angezeigt und ein Sprecher erzählt dazu etwas zur Rolle und zum Werdegang des Schauspielers. Dies wertet die sonst oft drögen Texttafeln deutlich auf und verdient eine positive Erwähnung.
Unter Interviews beantwortet noch jeder Schauspieler kurz und knapp einige Fragen, wie dies im Rahmen eines Electronic Press Kits üblich ist. Die Interviews sind mit je 2-3 Minuten nicht sehr lang aber dennoch nicht uninteressant.
Ein unterhaltsames Feature ist der kurze Beitrag über die Premiere, in dem auch Oliver Kalkofe (wie immer äußerst pointiert) und Jan-Josef Liefers (hat dem jemand etwas in seinen Tee getan?) zu Wort kommen. Abgerundet werden die Extras durch den Punkt „sonstiges“, unter dem sich der Kinotrailer und ein Foto des Filmplakates verbergen.
Gesamturteil:
Was tun wenn’s brennt, wenn die selbstgebastelte Bombe nach 12 Jahren doch noch hochgeht und 6 ehemalige Hausbesetzer von ihren Jugendsünden wieder eingeholt werden? Brennen lassen? Ganz so einfach ist das nicht, Ex-Punk „Terror“ ist heute Staatsanwalt, Nele hat zwei Kinder, Maik ist ein auftrebender Geschäftsmann in der New Economy...
Regisseur Gregor Schnitzler ist es gelungen, einen Film über ein deutsches Thema zu drehen, der doch nicht in das Raster typisch deutscher Filme passt und durch wesentlich mehr als nur die Optik punkten kann. Ein Ensemble toller Schauspieler, angeführt von Til Schweiger und Klaus Löwitsch, hauchen einer interessanten Geschichte Leben ein, die sich sicheren Fußes zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung bewegt.
Die DVD kann technisch ebenfalls vollauf begeistern, das Bild ist glänzend und der Ton Referenzklasse. Selbst die Extras enttäuschen nicht, sie wurden bis auf das typische Werbe - Making Of liebevoll und engagiert zusammengestellt. Fazit: uneingeschränkt empfehlenswert!
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


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Was tun, wenn's brennt? (2001)

Regie: Gregor Schnitzler
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