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Seit dem 21.12.2003
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„Nosferatu“

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Filmkritik:
Ich glaube, der erste Vampirfilm, den ich gesehen habe, war Polanskis „Tanz der Vampire“ (ich warte immer noch sehnsüchtig auf die DVD!), damit begann wohl meine Faszination für Vampirfilme. Heute befinden sich allein über 10 davon in meiner DVD-Sammlung.
Schon seit meiner Kindheit haben mich aber Bilder aus einem Film verfolgt, den ich eigentlich erst vor wenigen Jahren das erste Mal vollständig gesehen habe: „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“. Solche Szenen wie die stark untersichtig gefilmte Einstellung mit dem Vampir auf dem Schiff, wie er unter Deck seinem Sarg entsteigt oder sich sein Schatten durch die dunklen Räume des Schlosses bewegt, brennen sich einfach für immer ins Unterbewusstsein sein. Der deutsche Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau schuf 1922 einen Film von so unglaublicher Mystik und Faszination, dass es bis heute nichts Vergleichbares gibt.
Die Geschichte ist wohl bekannt, basiert sie doch auf dem Roman „Dracula“ von Bram Stoker, den nicht nur ich in meiner Jugend förmlich verschlungen habe. Jonathan Hutter, Angestellter eines Immobilienmaklers (im Original Harker genannt; warum, dazu später) macht sich auf den Weg ins ferne Transsilvanien, um dort einem mysteriösen Grafen ein Haus in der Stadt zu verkaufen. Mit der Aussicht auf ein gewinnbringendes Geschäft lässt er seine junge Frau zurück und macht sich auf die beschwerliche Reise, doch je näher er dem Schloss des Grafen kommt, um so bedrohlicher wird die Aura die er spürt und die Menschen um ihn herum benehmen sich sehr seltsam, als sie von seinem Reiseziel erfahren...
Zunächst möchte ich etwas auf den Hintergrund eingehen, unter dem dieses Meisterwerk entstanden ist. In den Zwanzigern war die deutsche Filmindustrie die bedeutendste der Welt und selbst Hollywood schaute begierig auf die Werke und Erfindungen, die hier geschaffen wurden. Meisterregisseure wie Fritz Lang und eben Murnau sowie Schauspieler wie Marlene Dietrich, Emil Jannings und andere waren die Pioniere der Filmindustrie. Zunächst drehte man noch mitten im Zentrum von Berlin in Dachateliers, doch da viele für die Filmherstellung benötigte Substanzen giftig (daher z.B. auch die Brillen als Schutz vor dem Staub der Lampen) oder hochexplosiv waren, wurde dies bald verboten und auf dem ehemaligen Gelände einer Gärtnerei in Babelsberg entstand das neue Zentrum des deutschen Filmschaffens. Dort begann dann auch Ende der Zwanziger die Ära des Tonfilms.
Nosferatu ist hingegen noch ein Stummfilm. Anfang und Ende wurden noch in den Berliner Ateliers gedreht, danach begab man sich jedoch hinaus aus den Studios, um den Hauptteil der Aufnahmen „on location“ zu machen. Dies war einmalig, denn gerade erst waren die früher großen und schweren Kameras „entfesselt“ geworden.
So kann „Nosferatu“ mit großartigen Aufnahmen aus den Hansestädten Wismar und Lübeck aufwarten. Wer dort einmal wie ich auf Spurensuche geht, der wird unter anderem die Sankt Marien Kirche, die Wismarer Wasserkunst, das letzte verbliebene Stadttor am alten Wismarer Hafen, die Häuser am Holstener Tor in Lübeck und viele andere Orte wieder erkennen. Weitere Drehorte waren ein z.B. ein altes Schloss in der slowakischen Tatra, Helgoland und sogar ein Schiff auf offener See.
Den Film nun erschöpfend zu deuten, möchte ich mir wirklich nicht anmaßen, dazu ist mein cineastisches Wissen wirklich nicht ausreichend, steckt er doch voller Symbolkraft und expressionistischer Stilmittel, die auch heute noch viele Rätsel aufgeben. So hat sich mir z.B. erst durch den enthaltenen Audiokommentar eines Filmhistorikers erschlossen, dass Hutters Frau sich über die Blumen, die Hutter ihr am Anfang des Filmes bringt, nicht freut, weil sie ein Symbol der Fruchtbarkeit sind und durch ihr Abschneiden symbolisiert wird, dass er sie wohl etwas vernachlässigt. Dieses Beispiel wird wohl einige abschrecken, aber das ist eigentlich unbegründet, denn der Film ist recht leicht zugänglich und bietet trotz oder gerade wegen des fast völligen Verzichtes auf Schrifttafeln spannende Unterhaltung.
Wie später z.B. in Poltergeist hat der Film eine unheimliche Stimmung und spielt äußerst effektiv mit Schatten und Urängsten. Interessant ist auch, dass Murnau einige eigene Regeln aufgestellt hat und die Geschichte auf sehr interessante Weise variiert. So hat sein Vampir beispielsweise durchaus einen Schatten und dieser wird im Film auf wunderbare Weise eingesetzt. Wer am Ende wen rettet ist ebenfalls anders als in Stokers Roman und es gibt auch keine Holzpflöcke, sondern eine andere Bedrohung für den Vampir wird zum ersten Mal thematisiert.
Überhaupt ist Murnaus Nosferatu nicht der sexy Dracula, der die Frauen reihenweise flachlegt, sondern ein leidender alter Mann, eine Seuche als Sinnbild der grausamen Natur und nicht zuletzt wohl der abstoßendste Vampir der Filmgeschichte.
1922 waren die Leute von dem Film eher geschockt und ein Streit mit der Witwe des Schriftstellers Bram Stoker hätte fast dazu geführt, dass dieses Meisterwerk für immer zerstört worden wäre. Zwar hatte man vorsorglich die Namen geändert und die Handlung an einen anderen Ort verlegt, aber trotzdem ordnete ein englischer Richter die Zerstörung aller Kopien an. Glücklicherweise überlebten einige Kopien, jedoch war der Film bis vor kurzem nur noch unvollständig (73 min) zu sehen. Erst Ende der 90er Jahre wurde er in Deutschland mit großem Aufwand wieder restauriert und kann nur wieder in voller Länge (92 min) genossen werden.
Bildqualität:
Auch hier muss man bei der Bewertung differenziert vorgehen. Es gibt ja Puristen, die behaupten, eine Schallplatte klänge wesentlich besser als eine CD und so ist es auch bei diesem Film so, dass man einfach sagen muss, dass das körnige Bild und die leichten Kratzer für die Wirkung des Filmes einfach notwendig sind. Trotzdem ist das aufwendig restaurierte Bild außerordentlich. Es gibt keine verrutschten Einzelbilder, kaum Verschmutzungen und vor allem die Schärfe ist geradezu sagenhaft. Natürlich hat das Filmmaterial über 80 Jahre auf dem Buckel und das Originalnegativ existiert nicht einmal mehr, trotz allem ist die Qualität so gut wie man sie sich für diesen Film nur wünschen kann.
Tonwertung:
Tja, was soll man da schreiben bei einem Stummfilm und welche Wertung soll man dem Ton geben? Schwierige Sache... es gibt natürlich eine Dolby Digital 5.1 Tonspur mit einem neu angefertigten Soundtrack, der den Film musikalisch untermalt. Man könnte dem Ton jetzt ankreiden, dass er kein Surroundfeuerwerk ist und sehr minimalistisch klingt (meist ist nur eine Art Geräusch zu hören), aber das wäre falsch, denn es ist gut, dass sich die Vertonung zurückhält, schließlich es ist und bleibt ja ein Stummfilm und die Musik soll die Wirkung der Bilder nicht verfälschen. Daher gebe ich dem Sound eine recht hohe Wertung, obwohl er technisch natürlich nichts Bahnbrechendes darstellt.
Bonusmaterial:
Der Film kommt auf 2 DVDs, von denen eine den Film in schwarz/weiß enthält und die andere in Sephiatönung. Die erste DVD enthält zusätzlich noch einiges an Extramaterial.
Sie besitzt z.B. sehr aufwendig und liebevoll animierte und vertonte Menüs. Da öffnen sich alte Bücher, in den Seiten werden Filmausschnitte gespielt und alle Menüs haben denselben grobkörnigen Look wie der Hauptfilm.
Es gibt auch einen Trailer zur Wiederveröffentlichung und vor allem 2 extrem interessante Beiträge über die Drehorte und den visuellen Stil des Filmes. Auch ein Audiokommentar fehlt nicht. Dieser ist zwar recht wortkarg, aber dennoch sehr interessant.
Gesamturteil:
Nosferatu ist ein Meilenstein des Kinos und wohl mit der größte Stummfilmklassiker, den es gibt. Niemand, der diesen Film noch nicht gesehen hat, kann von sich behaupten, ein Cineast zu sein.
Die DVD-Umsetzung ist zudem sehr gut gelungen, bietet sie doch die restaurierte und ungekürzte Fassung zusammen mit einer Sammlung wertvoller Extras. So kann es jedem interessierten Filmfan empfohlen werden kann, dieses filmische Meisterwerk in seine Sammlung aufzunehmen.
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


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Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (1922)

Regie: F.W. Murnau
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