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Seit dem 21.12.2003
Hits

„Mulholland Drive“

 Filmkritik   DVD-Infos   Filmdaten   Lesermeinungen 

PRO: surrealer, düsterer Trip mit doppeltem Boden
PRO: anspruchsvolles Kino mit innovativer Erzählweise und einer Punchline, die zwischen den Zeilen steht
PRO: liebevoll gestaltete und gut ausgestattete DVD
CONTRA: Mängel beim Bild

Filmkritik:
Eine junge Frau erleidet einen mysteriösen Unfall, irgendwer trachtet ihr nach dem Leben. Ohne Erinnerungsvermögen irrt sie durch das nächtliche Hollywood und findet Unterschlupf in einem Appartement, in welches gerade die junge Schauspielerin Betty einzieht, um Karriere in Hollywood zu machen. Betty hilft der mysteriösen Frau, die Ereignisse jener Nacht zu rekonstruieren und ihre eigene Identität wiederzufinden.
Dies ist der Anfang, nein, lediglich der Aufhänger eines mysteriösen Verwirrspiels um zerplatzte Wunschträume, Eifersucht und die Schattenseiten der Traumfabrik Hollywood. Willkommen im neuen Film von David Lynch!

Wie bei den meisten Regiearbeiten von David Lynch gestaltet sich eine Besprechung nicht einfach. Zu sehr profitiert der Film einfach davon, dass der Zuschauer möglichst wenig weiß. Nur auf diese Weise kann der Regisseur ihn mitnehmen auf einen verwirrenden Trip und ihm gerade dann, wenn er wieder einmal glaubt, den Ausgang der Geschichte vorausahnen zu können, den Boden unter den Füßen wegreißen. Keine Angst, diese Besprechung verrät nicht zu viel.

David Lynch hatte „Mulholland Drive“ ursprünglich als Fernsehserie geplant, um das Konzept fortzuführen, welches er bereits einmal mit „Twin Peaks“ äußerst erfolgreich entwickelt hatte. Als der ursprüngliche Plan nicht aufging, weil die Produzenten die Notbremse zogen, schaffte er das Unmögliche: Er fand Sponsoren in Frankreich und es gelang ihm, mit einigen Nachdrehs aus dem ursprünglich als Serie geplanten Stoff einen Film von solcher Qualität zu schaffen, dass er dafür den Regiepreis auf dem Filmfestival von Cannes erhielt. Eine reife Leistung!

Ohne zuviel verraten zu wollen: Was macht den Film nun so faszinierend und was ist das Besondere an David Lynchs Filmen im Allgemeinen und „Mulholland Drive“ im Speziellen?
Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Fakt ist, dass „Mulholland Drive“ ein äußerst spannender, dramatischer Thriller ist. Er wirkt zwar sehr surreal und düster, ein Mystery-Thriller ist er aber im Gegensatz zu Lynchs „Lost Highway“ eigentlich nicht.
Wenn man nun eine beißende Satire auf die Welt der Stars und Sternchen drehen möchte, kann man viele Ansätze wählen. „Cecil B. Demented“ bricht eine Lanze für Independent-Produktionen, „Ed Wood“ bietet erstaunliche und höchst amüsante Einblicke in die Produktion und die Finanzierung von B-Movies in den 50ern und Helmut Dietl schuf mit „Schtonk“, „Rossini“ und „Late Show“ gleich drei sehr interessante Satiren auf deutsche Printmedien, Filmschaffende bzw. Fernsehmacher.
David Lynch hat einen sehr originellen Ansatz gewählt und er kommt dabei völlig ohne moralischen Zeigefinger aus. Ihm geht es um die Menschen, ihre Träume und Ideale. Dabei wiegt er den Zuschauer zuerst in trügerischer Sicherheit, die Botschaft findet sich zwischen den Zeilen.

Die Vorgänge, die man erlebt, wirken zunächst sehr zusammenhanglos. Man lernt Personen kennen, ohne dass der Film es für nötig hielte, diese großartig einzuführen. So wird der Zuschauer regelrecht bombardiert mit einer Fülle an Puzzlesteinen, die sich zunächst nicht so recht zu einem Bild zusammenfügen lassen wollen. Dies wird es für den einen oder anderen Zuschauer nicht so einfach machen, Zugang zu dem Film zu finden.
Erst am Ende wird langsam klar, in welcher Beziehung die Personen zueinander stehen, eine vollständige Auflösung bekommt man jedoch nicht präsentiert. Das Verständnis des Filmes erfordert Konzentration, einige Kopfarbeit und am besten auch mehrfaches Ansehen, um ihn in vollem Ausmaße schätzen zu können.

Lynchs Reputation erklärt sich meiner Meinung nach daraus, dass er es wie kaum ein zweiter versteht, das Medium Film gebührend zu nutzen. So schafft er es, Stoffe mit spezifisch filmischen Mitteln auf eine Art und Weise umzusetzen, die mit einem anderen Medium, wie etwa einem Buch, nicht machbar wären. Dies macht seine Filme zu etwas Besonderem und verleiht ihnen einen künstlerischen Anspruch.
Auch die Regiearbeit und die Führung der Schauspieler müssen ob der Mehrdeutigkeit und Nonlinearität der Erzählung ganz anderen Kriterien unterliegen. Wenn man einmal überlegt, welche Planung und Kreativität hinter der Entwicklung eines Drehbuches von derartiger Komplexität und der Führung eines Drehteams durch ein derart vertracktes Werk steckt, kann man wirklich nur den Hut vor ihm ziehen.

Lynch-Fans mögen den düsteren, mysteriösen und oft surrealen Stil seiner Filme, jedoch würde alles am Ende verpuffen, wenn der Zuschauer das Gefühl hätte, der Film gäbe sich schlauer als er ist. Dies ist jedoch nicht der Fall. „Mulholland Drive“ ist, nachdem man mittels reiflicher Überlegung oder Diskussion mit anderen Zuschauern seine Theorie formuliert hat, fast durchgängig logisch und bezieht gerade daraus seine große Faszination. Durch die Doppelbödigkeit kann man den Film auch immer wieder ansehen und entdeckt jedes Mal neue Dinge.
Lynch selbst ist erklärter Gegner davon, Filme bis ins letzte zu erklären. Viele Filme haben keine hohe Meinung von ihren Zuschauern. Wichtige Plotelemente werden meist doppelt und dreifach durchgekaut werden, bis es auch der letzte verstanden hat. Selbst Filme wie „The sixth sense“ oder „Vanilla Sky“, die auf wunderbare Weise mit der Wahrnehmung des Zuschauers spielen, halten es für notwendig, am Ende alles haarklein zu erklären. Lynchs Filme verzichten hierauf fast völlig und überlassen das Zusammensetzen dem Zuschauer. Dies ermöglicht vielfältigste Interpretationen und durch die vielen versteckten Hinweise erhält das Werk eine hohe Komplexität, deren volles Ausmaß sich erst nach und nach erschließt.
Es ist ein interessanter Gedanke, sich vorzustellen, was Lynch etwa aus oben genannten Filmen gemacht hätte. Sicherlich wäre das Resultat kaum wiederzuerkennen und auf keinen Fall jedermanns Sache. Er hat einen sehr ausgeprägten Stil und dieser ist sogar in Filmen spürbar, wo sein Einfluss, wie etwa im Falle von „Dune“, nicht so sehr groß war. Nun ist „Dune“ zwar kein typischer David Lynch Film, aber gerade im Vergleich mit der TV-Neuverfilmung zeigt sich hier doch deutlich der starke Einfluss des Regisseurs und seiner Vision.

So weiß auch „Mulholland Drive“ auf eine eigenartige, verruchte Art zu faszinieren. Völlig verwirrt sitzt der Zuschauer vor dem Abspann des Filmes und weiß erst einmal nicht so recht, was er von dem Film halten soll, der ihn zwar trefflich unterhalten hat, aber noch nicht so recht einleuchten will.
So erzeugt er ein großes Bedürfnis, sich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen, darüber zu sprechen und Theorien zu entwickeln. Und was gibt es Schöneres als einen Film, der dies vermag und nach dem Anschauen nicht sofort wieder in Vergessenheit gerät?
Ich bin versucht, mehr zur Handlung zu schreiben, halte dies aber für absolut destruktiv. Auch von „Lösungsseiten“ zum Film im Internet würde ich stark abraten. Höchstens auf die Hinweise, die David Lynch im DVD-ROM-Part der DVD gibt, kann man einmal einen Blick werfen, falls man keinen rechten Zugang zum Film finden sollte.
Bildqualität:
Das anamorphe Bild füllt einen 16:9-Schirm voll aus. Leider sind die Farben sehr blass und auch die Schärfe läßt deutlich zu wünschen übrig. Da es sich ursprünglich um eine TV-Produktion handelte, ist davon auszugehen, dass schon das Ausgangsmaterial keine so hohe Qualität besaß wie eine hochwertige Kinoproduktion.
Der Film spielt oft im Dunkeln und gerade hier kann man Flächenrauschen bemerken, teilweise treten auch Solarisationseffekte auf. Am störendsten ist aber das milchig-verschwommene Bild.
Tonwertung:
Der Film ist eher ruhig. Es dominiert oft die herrlich athmosphärische Score. In einigen Szenen, z.B. beim Autocrash am Anfang des Filmes, kommt der Surroundton (auch Splitsurrounds) voll zur Geltung, auch der aggressive Subwoofereinsatz gefällt.
Die drei 5.1-Spuren der DVD (englisch Dolby Digital, deutsch Dolby Digital und DTS) heben sich klanglich kaum voneinander ab. Die DTS-Tonspur bietet die feinste Detailauflösung, am druckvollsten und dynamischsten klingt aber die englische Dolby Digital 5.1 Spur. Die deutsche Dolby Surround Spur schneidet systembedingt am schlechtesten ab.
Bonusmaterial:
Die Ausstattung der DVD überrascht wirklich im positiven Sinne. Kommt die US-DVD völlig ohne Extras und sogar ohne Kapitelwahl daher, so kann die deutsche DVD hier wesentlich mehr bieten. Der positive Eindruck beginnt schon mit dem gelungenen animierten und vertonten Menü, welches schön auf den Film einstimmt. Auch alle Untermenüs und die Kapitelwahl wurden animiert.
Zum Film finden sich zunächst Kinotrailer, TV-Spots und eine Fotogallerie, wo man Szenenfotos mittels Vorschaubildchen anklicken kann. Zu Cast und Crew sind kurze Biografien und Filmografien verfügbar. Darüber hinaus gibt es zu jeder Person noch einige Statements, die zwar kurz aber teilweise ganz interessant sind.
Wichtigstes Extra ist jedoch das 23-minütige Making Of, welches zwar werbelastig ist, jedoch einen guten Einblick in den Film bietet. David Lynch erzählt sonst nicht viel zu seinen Filmen, das macht diesen Zusammenschnitt aus Interviewschnippseln, Filmausschnitten und Blick hinter die Kulissen doch recht interessant. Die Schauspieler erzählen von der Filmproduktion, der Arbeit mit Lynch und dieser verliert auch ein paar Worte zu seiner Philosophie des Filmverständnisses.
Sinnvoll ist hier auch einmal der DVD-ROM-Part, der einen Blick hinter die Kulissen (seltsam, dass sich diese Featurette nicht im Videoteil der DVD befindet) und eine Seite mit Hinweisen zur Lösung des Filmes von David Lynch persönlich enthält. Außerdem sind einige Weblinks, u.a. zur offiziellen Website, verfügbar.
Abgerundet wird das Ganze durch ein Booklet, welches zwar sehr dünn ist, aber neben den Kapiteln und einigen Szenenfotos auch eine Biografie von David Lynch bietet. So etwas ist leider nicht selbstverständlich und auf jeden Fall eine Erwähnung wert.
Gesamturteil:
Mulholland Drive“ ist ein außergewöhnlicher Film in bester Tradition dessen, was David Lynch zuletzt mit „Lost Highway“ geboten hat: ein surrealer, düsterer Trip mit doppeltem Boden. Wenn man erst einmal den roten Faden gefunden hat, ist er sogar vollständig logisch. Die vertrackte Erzählweise, die Lynch-Fans so schätzen, wird es Zuschauern, die es gewohnt sind, die Lösung am Ende auf dem Präsentierteller zu bekommen, wieder einmal nicht einfach machen.
Die DVD bietet zwar nicht das perfekte Bild einer Kinoproduktion (da kann der Film seine TV-Herkunft nicht ganz leugnen) und auch auf den Ton wurde nicht sehr viel wert gelegt, in punkto Extras kann die Concorde-Scheibe jedoch glänzen. So viel bot die US-DVD nicht und selbst die Menüs wurden ansprechend gestaltet.
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


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Mulholland Dr. (2001)

Regie: David Lynch
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