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Seit dem 21.12.2003
Hits

„Mein liebster Feind“

 Filmkritik   DVD-Infos   Filmdaten   Lesermeinungen 

PRO: tiefgründige, persönliche und äußerst faszinierende Dokumentation
PRO: seltene B-Roll-Aufnahmen, interessante Interviews und Hintergründe
CONTRA: zwar ehrlich aber prinzipbedingt doch etwas einseitig
CONTRA: durchschnittliche Bild- und Tonqualität
CONTRA: bis auf einige Werbetrailer keine weiteren Extras

Filmkritik:
Werner Herzog und Klaus Kinski − zwei Besessene, die mit ihren Werken beide bedeutende filmische Beiträge geleistet haben. Mit der 1999 entstandenen Dokumentation „Mein liebster Feind” wirft der Regisseur Werner Herzog noch einmal einen Blick zurück auf die Zusammenarbeit mit seinem “liebsten Feind”, auf die Höhen und Tiefen und die Früchte der Arbeit.

Jeder von Ihnen konnte auch ohne den anderen große Erfolge feiern. So spielte Kinski in einer geradezu unglaublichen Anzahl von Filmen mit, meist jedoch nur in kleinen Nebenrollen. Nach großen Erfolgen in Deutschland als Theater- und Filmschauspieler, am bekanntesten heute sind vor allem die Edgar Wallace Verfilmungen, spielte er auch in internationalen Produktionen, arbeitete in Italien mit Leone, in den USA mit Lean an „Dr. Zhivago“. Seine ungezügelte Art, der Größenwahnsinn und die Tobsuchtsanfälle führten jedoch sehr oft dazu, dass er schon nach wenigen Tagen die Produktion verließ bzw. verlassen musste.
Einzig Herzog gelang es, das große Talent und all die Intensität und Energie Kinskis zu kanalisieren. Gemeinsam schufen sie bedeutende Werke der deutschen Filmgeschichte. Kinski ist dabei wohl der Prototyp des Method-Actors. Er spielte nicht, er verkörperte seine Figuren. Daher konnte man hier weniger von Regieanweisungen sprechen, sondern der Regisseur musste seinen Star in die richtige Stimmung bringen, ihn genau kennen und lenken. Das alles hört sich fast nach einer Raubtierbändigung an.
Auch Herzog konnte solo große Erfolge feiern. Seine Verfilmungen von „Kaspar Hauser“ und „Herz aus Glas“ sind weltbekannt und waren sehr erfolgreich. Als Autorenfilmer setzte er oft eigene Stoffe um und war vor allem darauf bedacht, sich nie anzupassen.
Seine unglaubliche Besessenheit ist dabei durchaus mit der Kinskis vergleichbar. Um seinen Drang nach Realismus zu befriedigen, musste das Schiff, das in „Fitzcarraldo” über den Berg gezogen wird, auch real über den Berg gezogen werden. Als ihm ein Techniker davon abriet, engagierte er einfach einen anderen. Bei dieser Aktion kam auch einer der Indianer ums Leben. Da “Mein liebster Feind” von Herzog selbst gedreht wurde, werden dieser und ähnliche Vorgänge im Film jedoch nicht thematisiert.

Gleich zu Beginn des Filmes, noch vor der Titelsequenz, erlebt man Klaus Kinski auf seiner Jesus-Tournee. Er hat sich als neuer Jesus proklamiert, doch die Leute scheinen nur gekommen zu sein, um ihn toben zu sehen. Völlig in Rage beleidigt er sein Publikum. Eine Freakshow.
Nach diesem Auftakt springt der Regisseur erst einmal noch weiter in der Zeit zurück und besucht das Münchener Haus, wo er damals mit 15 Jahren Kinski erstmalig kennen lernte. Herzog wohnte mit seiner Mutter dort und die Vermieterin hatte ein Herz für Künstler und nahm den Schauspieler, der bis dahin nackt in einer mit Laub gefüllten Dachkammer gehaust hatte, bei sich auf. Auf wenigen Quadratmetern lebten nun Familien und andere Schauspieler mit dem exzentrischen Mimen zusammen.
Das alte Ehepaar, welches die Wohnung heute bewohnt, erlaubt dem Regisseur einen Blick zurück auf die Stätte, wo sich die beiden kennen lernten. Viele Erinnerungen werden wach. Was Herzog von Kinskis Egomanie, dem 48-stündigen Tobsuchtsanfall und den damaligen Verhältnissen erzählt, ist so faszinierend wie unglaublich. Dabei macht er ihn keinesfalls durchweg schlecht, sondern rekapituliert lediglich viele Eindrücke, die ihn entscheidend geprägt haben.
Wenn er dann beispielsweise einen Ausschnitt aus einem Film mit Klaus Kinski zeigt, den er als 15jähriger erstmals sah und auf die Bedeutung einzelner Szenen für ihn eingeht, dann hat man schon den Eindruck, an etwas ganz Persönlichem teilzuhaben.

Nun beginnt der eigentliche Film. Der Regisseur reist noch einmal an die Drehorte der gemeinsamen Filme zurück. Die erste Kooperation war „Aguirre, der Zorn Gottes”, Herzogs 6. Film. Mit dem Zug fährt Herzog in Peru am Urubamba-Fluß entlang nach Machu Pichu und erzählt, wie es zu dieser ersten Zusammenarbeit kam.
Zitat Herzog:
“Ich hatte Kinski mein Drehbuch geschickt und zwei Nächte später weckte mich das Telefon um drei Uhr morgens. Ich konnte erst gar nicht ausmachen was los war, denn ich hörte nur unartikulierte Schreie am anderen Ende der Leitung. Es war Kinski. Nach etwa einer halben Stunde ließ sich aus dem Schreien in etwa herausfiltern, dass er von dem Drehbuch begeistert war und dass er Aguirre sein wolle.”

Nun erklärt sich auch der Anfang des Filmes. Kinski hatte seine Jesus-Tournee abgebrochen und kam zu Dreharbeiten nach Peru als Verspotteter. „Es war oft sehr schwer, mit ihm zu reden, weil er einem dann wie Jesus geantwortet hat”, rekapituliert Herzog.
Schon dieser erste gemeinsame Film enthält alle Elemente, die die Filme des Duos so faszinierend machen. Grandiose Naturaufnahmen, eine ganz charakteristische Musikuntermalung, geradezu fanatischer Realismus und grandiose schauspielerische Leistungen erzeugen eine nahezu hypnotische Intensität. Künstlerisch ist dieser erste Film wahrscheinlich ihr bester, auch wenn mich persönlich z.B.
“Nosferatu„ thematisch mehr anspricht. Leider kommt gerade dieser Film bei der Dokumentation mit am kürzesten, was wahrscheinlich daran liegt, dass die weibliche Hauptdarstellerin Isabelle Adjani nicht für Interviews zur Verfügung stand.
Zu bemerken ist hier noch, dass die Dokumentation gerade zu
“Aguirre„ etliche Spoiler enthält, weshalb es sich empfiehlt, sie erst anzuschauen, wenn man “Aguirre„ bereits kennt.

Im weiteren Verlauf geht Herzog auf kursierende Gerüchte über gegenseitige Mordversuche, Hintergründe zu den Filmen, den Dreharbeiten, der Finanzierung, Kinskis Biografie, usw. ein und liefert damit eine Vielzahl von hochinteressanten Informationen.
Die mit vielen Filmausschnitten, seltenem Hintergrundmaterial und an Originalschauplätzen aufgenommenen Erzählungen gespickte Dokumentation bleibt die ganze Spielfilmlaufzeit über faszinierend und interessant.
In Interviews kommen Kinskis Costars wie Claudia Cardinale (
“Fitzcarraldo”), Eva Mattes („Woyzeck”), Justo Gonzales (Kinski verletzte ihn bei den Dreharbeiten zu “Aguirre” am Kopf) und andere zu Wort. Ihre Sichtweisen sind, wie der Film selbst, vielschichtig.

Letzten Endes kann der Film Kinski sicher nicht erklären. Er besitzt auch nicht die Objektivität, die ein Außenseiter hinzu gebracht hätte, wie dies etwa Ray Müller bei seiner brillanten Leni Riefenstahl Dokumentation gezeigt hat. Dies gleicht der Film jedoch aus durch seine persönliche Machart. Er schließt mit einer wirklich erstaunlichen Szene, die Kinski zusammen mit einem Schmetterling zeigt.
Bildqualität:
Da der Film, typisch für eine Dokumentation, aus einer Vielzahl verschiedener Filmmaterialien zusammengestellt wurde, ist die Bildqualität trotz des neueren Produktionsdatums nicht sehr gut. Schon das Ausgangsmaterial ist nicht gut, die Schärfe und Rauschen schwanken stark. Einige alte Interviews sind von sehr schlechter Qualität und haben Farbverfälschungen.
Das Bild ist nicht anamorph und im direkten Vergleich mit der anamorphen US-DVD (NTSC) ergab sich tatsächlich ein deutlich detailärmeres Bild. Die Farbsättigung ist dafür bei den neu gedrehten Teilen natürlich und mit der Kompression gibt es auch keine Probleme, da aufgrund der Verwendung einer DVD9 genügend Platz für eine hohe Bitrate verfügbar war.
Tonwertung:
Der Ton der DVD liegt in stereo und nur in deutscher Sprache vor. Da es sich um einen deutschen Film handelt, ist dies auch nicht weiter schlimm, wenngleich es auch eine englische Fassung gibt, in der Werner Herzog ebenfalls selbst spricht.
Da es sich um eine Dokumentation handelt, in die nur gelegentlich Filmausschnitte eingestreut wurden, sind natürlich die Dialoge das Wichtigste. Diese sind bei den neu gedrehten Interviews und den Filmausschnitten gut verständlich und rauschfrei. Alte Interviewschnipsel schneiden jedoch auch hier deutlich schlechter ab, sind teilweise übersteuert und verrauscht.
Bonusmaterial:
Bei Einlegen der DVD wird das Menü mit einem Ausschnitt aus dem Film eingeblendet, der schon einmal auf den Film einstimmt, auch das Menü selbst und die Untermenüs wurden mit Motiven aus dem Film verschönert. Die Kapitelauswahl ist animiert.
An Extras gibt es nur eine Filmografie von Klaus Kinski (jedoch keine von Werner Herzog) sowie drei Werbetrailer für andere DVDs des Herstellers.
Gut gemacht sind auf jeden Fall die Untertitel, denn diese können wahlweise permanent oder nur für die englischsprachigen Teile des Filmes eingeblendet werden.
Gesamturteil:
Mein liebster Feind” ist eine großartige Dokumentation, die den Zuschauer an die Originalschauplätze zurückführt, an denen der Regisseur Werner Herzog und sein Star Klaus Kinski ihre Filme drehten. Herzog rekapituliert eine Unmenge von faszinierenden Anekdoten und es kommen viele ehemalige Costars zu Wort. Damit der Film funktioniert, darf man keine reine Kinski-Biografie erwarten, vielmehr ist es ein sehr persönlicher Film und eine Hommage Herzogs an seinen “liebsten Feind”.
Wer sich für Autorenfilme interessiert oder wen Klaus Kinski mit der intensiven Darstellung seiner Charaktere schon immer fasziniert hat, der sollte sich diesen Blick hinter die Kulissen nicht entgehen lassen. Auch wenn ihm etwas die Objektivität eines Außenstehenden fehlt, so ist er doch auch nach mehrmaligem Schauen noch faszinierend und bietet zumindest einige interessante Puzzlesteine zum Verständnis Kinskis.
DVD-Technik und Ausstattung sind für eine Dokumentation in Ordnung.
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


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Mein liebster Feind - Klaus Kinski (1999)

Regie: Werner Herzog
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