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265 Kritiken online

Seit dem 21.12.2003
Hits

„Das Leben des Brian“

 Filmkritik   DVD-Infos   Filmdaten   Lesermeinungen 

PRO: herrlich blödsinnige aber auch sehr intelligente Kultkomödie
PRO: exzellente Dokumentation
CONTRA: dem Alter entsprechende Defizite bei Bild und Ton

Handlung:
Ein Stern am Himmel führt die heiligen drei Könige zur Krippe eines kleinen Kindes. Die keifende Mutter will die seltsamen Gestalten am liebsten schnell wieder aus dem Hause haben, aber als sie ihr ihre Geschenke zeigen, verändert sich die Sachlage. Dummerweise haben sich die drei nur in der Tür geirrt, denn nicht der kleine Brian ist das eigentliche Ziel ihres Besuches, sondern Jesus, der sich in der Scheune nebenan befindet.

„Everyone knows the story of the child born in a far-away manger. - Well, this isn’t that story“ (Kinotrailer)

Über 30 Jahre später: Jesus ist längst unterwegs und verbreitet seine Botschaft, Brian steht immer noch unter der Fuchtel seiner bärbeißigen Mutter. Wegen der attraktiven Judith schließt er sich einer anti-römischen Terrorgruppe, der „Volksfront von Judäa“ an, doch deren ärgste Feinde sind eigentlich nicht die Römer, sondern die „judäische Volksfront“, eine andere radikale Splittergruppe. Auf seiner Flucht vor den Römern wird er von einer Menschenmenge für den Messias gehalten, die von nun an jeden seiner Schritte verfolgt und die wunderlichsten Dinge in seine Äußerungen hineininterpretiert…
Filmkritik:
Das Leben des Brian“ ist sicherlich der kapitalste Streich der legendären britischen Komikertruppe, obwohl der Film um diesen Titel mit „Der Sinn des Lebens“ einen unentschiedenen Kampf führt. So gut wie in keinem anderen ihrer Filme fügen sich jedoch die meist in Autoren-Zweierteams von den Pythons geschrieben Gags hier zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Dabei stand die Produktion zunächst unter keinem guten Stern. Nach ihren herrlich anarchistischen TV-Streichen in der Kultserie „Monty Python’s Flying Circus“ erlangte die Komikertruppe durch ihren ersten Kinofilm „Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft“ („An now for something completely different“) auch im Ausland und besonders in den USA Berühmtheit. Nachdem die Serie ursprünglich eher experimentelles Fernsehen darstellte, in einer Zeit wo die BBC den Machern weitgehend freie Hand ließ, erkannte man bei der BBC nach einigen Folgen, wie radikal und schwarz der Humor der Truppe war. Da war es allerdings schon längst zu spät, denn die Sendung kam einfach viel zu gut an, um sie jetzt noch vom Sender zu nehmen.
Der erste Kinofilm bestand dann auch eher aus einem Best-Of der Sketche der ersten Folgen, die für den Kinofilm noch einmal aufgenommen wurden. Fans der Pythons finden hier viele Highlights, aber als Film mit durchgehender Handlung kann man ihn eigentlich nicht bezeichnen.
Was nun folgte war „Die Ritter der Kokosnuss“ („Monty Python and the holy grail“). In einer diesmal geschlossenen Handlung nahm sich die Truppe in kürzester Drehzeit und mit einfachsten Mitteln, aber höchst erfolgreich und mit einer reichlichen Prise des typischen „Monty Python“-Humors des Mittelalters und der Artus-Sage an.

Mit ähnlich Zielsetzung und größeren Budget ging man nun 1979 an die Verfilmung der Monty Python Bibelgeschichte „Das Leben des Brian“. Als jedoch Details zur Handlung bekannt wurden und man einen blasphemischen Film fürchtete, sprangen die ursprünglichen Geldgeber ab. Ausgerechnet Ex-Beatle George Harrison war es dann, der zur Finanzierung des Filmes beitrug und so in die Fußstapfen prominenter Musiker trat, die innovative Filmprojekte oft als Geldanlage sponserten, um den hohen Steuern in Großbritannien zu entgehen. Harrison ist auch in einem winzigen Cameo (in der Massenszene in Brians Haus nach der Nacht mit Judith) zu sehen.
Glücklicherweise konnte man auch gleich die Kulissen einer anderen Bibelverfilmung in Tunesien benutzen und so Kosten sparen. Für die Pythons bedeutete das Projekt eine Wiedervereinigung, nachdem jeder von ihnen mit Soloprojekten beschäftigt war. Das Gesamtbudget lag bei ca. 4 Millionen Dollar. Natürlich spielen die 6 Pythons auch wieder eine Menge Figuren, in diesem Falle weit über 40.

„See the movie that's controversial, sacrilegious, and blasphemous. But if that's not playing, see The Life of Brian.“ (Filmwerbung)

Nach seiner Vollendung war der Film beispielsweise in Irland für 8 Jahre verboten, da man ihn für gotteslästerlich hielt. Dabei ist „Das Leben des Brian“ kein Film gegen den Glauben. Hinter der Fassade oft herrlich blödsinniger Gags verbirgt sich ein sehr intelligentes Werk gegen Intoleranz und blinden Glauben. Der Film stellt sich nie gegen die Bibel, er entlarvt nur falsche Heilige (etwa die hetzenden Wanderprediger im Film) und Sprücheklopfer (die politischen Splittergruppen) und stellt ein Plädoyer für die Selbstverwirklichung des Einzelnen dar.

„You are all individuals!“ − (im Chor) „We are all individuals!“

Überhaupt gibt der Film mit einer Schlüsselszene einen wichtigen Denkanstoß. Was wäre denn eigentlich, wenn die Römer fort wären? Kann man den Konflikt zwischen Besatzern und Einheimischen in diesem Fall so schwarz-weiß zeichnen und ist die Frage nicht „Freiheit wozu“ statt „Freiheit wovon“? So kann man in diesem Film nur einfach eine herrliche Komödie sehen oder auch viel mehr.

„All right, but apart from the sanitation, medicine, education, wine, public order, irrigation, roads, the fresh water system and public health, what have the Romans ever done for us?“ − „Brought peace?“ − „Oh, peace! - Shut up!“

In der politischen Gruppe „Volksfront von Judäa“ streitet Stan alias Loretta für seine/ihre Rechte, ein Kind zu bekommen. „Aber du hast doch gar keine Mumu! Willst Du es in einer Zigarrenkiste aufbewahren?“ − „Aber darum geht es doch gar nicht.“, belehrt ihn ein anderer, „Es ist symbolisch für unseren Kampf gegen die Unterdrückung.“ und als Brian die sofortige Kreuzigung droht, ruft das natürlich nach einer sofortigen Diskussion, die aber selbstverständlich erst nach entsprechendem Antrag erfolgen kann. Eigentliches Ziel dieser Spitzen war freilich die politische Linke im England der 70er Jahre.

„Crucifixion?“ − „Yes.“ − „Good. Out of the door, line on the left, one cross each.“

Ähnliche Spitzen bekommt auch die römische Kultur ab. So findet es ein Centurio gar nicht witzig, als ihm ein alter Mann erklärt, er finde die Kreuzigung gar nicht so schlimm und vor dem Ort der Steinigung, wo keine Frauen erlaubt sind, steht natürlich ein Händler, der spitze Steine, Tütchen mit Kies und falsche Bärte verkauft. Bei Brians erster Geheimmission erweist sich außerdem ein römischer Centurio als geschickter Pädagoge, der Brian auf innovative Weise Kenntnisse in lateinischer Grammatik vermittelt (was John Cleese als ehemaligem Lehrer am Herzen lag) und auf einem Markt muss Brian zwangsweise die Kunst des Feilschens erlernen. Ein weiteres Highlight ist auch der Gag mit den beiden derangierten Gefängniswächtern.

„I have a vewy good fwiend in Wome named “Biggus Dickus.„ (Wächter lacht) “Wight! That’s it! I want him fighting wapid wild animals within a week!"

Ein großes Highlight des Filmes ist sicherlich Michael Palins geniale Darstellung des Pilatus, des mächtigen römischen Diktators, der einen extremen Sprachfehler hat, sich dessen jedoch nicht bewusst ist. Weil er so mächtig ist, traut sich auch niemand, es ihm zu sagen. Dies ist dann die Quelle extrem witziger Szenen mit vielen Doppeldeutigkeiten.
Die deutsche Übersetzung kann hier wunderbar mithalten. Namen wie Schwanzus Longus (im Original Biggus Dickus) und Punchlines wie „Chleutert den Purchen zu Poten“ (im Original „thwow him to the floow“) sind in der Synchronisation ebenso kultig wie im Original. Allerdings muss das eine oder andere Wortspiel ganz zwangsläufig in der Synchronisation untergehen.

Brian: „But I am a Roman“ − Pilatus: „So, youw father was a woman!“
deutsch: „Aber ich bin ein römischer Bürger“ − „Ein römischer Pürker?“ − „Nein, BÜRGER.“


Über die schauspielerischen Leistungen muss man nicht viele Wort verlieren, da sie wie gewohnt genial sind. Graham Chapman, der mittlerweile leider seit langem verstorben ist, spielt einen herrlich naiven, gutmütigen Brian Cohen. Michael Palin begeistert u.a. als Pilatus mit Sprachfehler. Terry Jones ist als Brians Mutter zu sehen und John Cleeses beste Rolle ist die des für die Steinigung Verantwortlichen, der herrlich verbissen sein Urteil verkündet. Terrry Gilliam gibt u.a. den derangierten Gefängniswärter und Eric Idle hat seine wunderbaren Auftritte Loretta.
Der kultige Song „Always look on the bright side of life“, der das stark an Kubricks „Spartacus“ erinnernde Ende des Filmes begleitet, brachte es übrigens erst viele Jahre später zu Ruhm und Ehren, als ihn eine Fußballmannschaft zur Hymne auserkor. Daraufhin stieg er dann sogar in die Charts ein.
Terry Gilliams Animationen beschränken sich bei diesem Film auf die Titelsequenz mit Musik im Shirley Bassey Stil und eine Weltraum-Aliensequenz, die für mich eigentlich die einzige Sache im Film ist, die mir nicht gefällt. Scheinbar konnte man sich damals jedoch dem großen Erfolg, den „Star Wars“ im Kino hatte, nicht ganz entziehen.

Zusammenfassend muss man sagen, dass „Das Leben des Brian“ eine der besten britischen Komödien aller Zeiten ist, die auch nach vielmaligem Ansehen nichts von ihrer Faszination verloren hat. Viele der Sketche und Punchlines sind längst Klassiker und der Film schafft vor allem den Spagat zwischen beinharten Fans und solchen Zuschauern, denen der „Flying Circus“ oder „Der Sinn des Lebens“ oft schon zu extrem sind.
Bildqualität:
Das Bild der DVD ist für eine über 20 Jahre alte Independentproduktion wirklich gut. Die Farbtemperatur ist natürlich, im Gegensatz zur Criterion-DVD mit ihren eher erdigen Farben. Generell wirken die Farben aber etwas zu blass. Die anamorphe Abtastung hat eine noch gute Schärfe, allerdings reicht der Detailgrad im direkten Vergleich nicht an den der Criterion-Disk heran, die außerdem einen geringfügig anderen Bildausschnitt besitzt.
Über den Film verteilt gibt es viele Dropouts und das Material ist generell recht stark verrauscht. Der Kontrastumfang ist jedoch gut, in den Tagszenen ist das Bild heller, in den Nachtszenen dunkler als das der Criterion. Vor allem gegen Ende treten auch einige Defekte auf.
Dass es an einigen Stellen ausgelassene Einzelbilder gibt, ist übrigens kein Fehler, sondern, wie im Audiokommentar der Criterion-Disk erklärt wird, eine absichtliche Entscheidung beim Filmschnitt gewesen.
Tonwertung:
Das Leben des Brian“ ist sowohl im Original als auch in der deutschen Synchronisation wunderbar kultig. Daher ist die gelungene Synchronisation wohl schon fast Kaufgrund genug. Leider liegt sie nur im originalen Monoformat vor und klingt oft etwas übersteuert, während dem englischen Originalton ein 5.1-Upmix spendiert wurde.
Der 5.1-Mix des Originaltons klingt allerdings auch wenig spektakulär. Mehr als Dolby Surround sollte man hier nicht erwarten. Zwar gibt es so etwas wie Raumklang, aber eine detailierte Auflösung von Geräuschen oder auch nur der Score gibt es nicht.
Warum allerdings die ungarische (!) Synchronisation einen 5.1-Upmix erhalten hat und die deutsche Fassung im schnöden Monoformat daherkommt ist, wissen wohl nur die Götter. Die Tonqualität der deutschen Fassung ist denn auch nicht unbedingt berauschend. Zwar treten keine Knackser oder Rauschen auf, aber die Sprachqualität ist nicht optimal.
Bonusmaterial:
Das Leben des Brian“ ist ein über 20 Jahre alter Film. Normalerweise ist zu so einem alten Werk selten interessantes Material aufzutreiben. Glücklicherweise war Monty Python auch damals schon so bekannt und beliebt wie heute und die BBC, der Heimatsender der Truppe, schickte ein Team zu den Dreharbeiten von „Das Leben des Brian“. Die Dokumentation „The Pythons“ zeigt diese bei der Arbeit und, was natürlich den deutlich höheren Unterhaltungswert hat, dabei, wie sie übereinander herziehen und die Interviewer in Fangfragen verstricken. Außerdem wird auch auf die Soloprojekte der Truppe eingegangen. Eric Idles neue Serie ist genauso Thema wie etwa John Cleese’ legendäre Serie „Fawlty Towers“.
Ich möchte an dieser Stelle darauf verweisen, dass es auch ganz wunderbare „deleted scenes“ zum Film gibt, welche hier jedoch nicht enthalten sind. Der Grund dafür liegt darin, dass diese exklusiv für die US-amerikanische „Criterion Collection“ lizensiert wurden. Diese enthält weiterhin 2 Audiokommentare sowie Radiospots und ist für alle Fans des Filmes unbedingt empfehlenswert. Ich verkneife es mir allerdings an dieser Stelle fairerweise, allzu ausschweifend davon zu schwärmen.

Trotzdem bietet auch die deutsche DVD mit dem restaurierten Film, der langen Dokumentation, den Kinotrailern und vor allem der gelungenen Synchronisation nämlich vergleichsweise viel. Die Menüs wurden stilgerecht animiert. Außerdem ist neben dem Trailer zum Film auch der herrliche Trailer zu „Die Ritter der Kokosnuss enthalten“ - ein wahres Juwel.
Da das englische Bildmaster verwendet wurde, entfallen lustig übersetzte deutsche Titel. In der deutschen Übersetzung wurde etwa die Texttafel „Sunday - around tea time“ mit „Sonntag - kurz nach der Sportschau“ übersetzt, was hier entfällt. Außerdem glaube ich, dass einige Szenen enthalten sind, die mir aus der TV-Fassung nicht bekannt waren, nämlich zwei Einstellungen am Ende der Steinigung und einige Sekunden am Ende von Brians Audienz bei Pilatus. Das kann ich aber nicht genau belegen. Jedenfalls ist die Fassung identisch mit der US-DVD von Criterion, deren Transfer von den Pythons selbst überwacht wurde.
Gesamturteil:
Das Leben des Brian“ ist eine DER Komödien überhaupt, aber hinter den herrlich komischen Szenen steckt auch eine Menge Intelligenz. Viele Szenen sind ohnehin längst Kult, aber auch als Gesamtwerk ist der Film wohl das massentauglichste und kohärenteste Projekt der legendären britischen Komikertruppe.
Bild und Ton sind für das Alter des Filmes recht gut. Als Extra gibt es eine sehr interessante BBC-Dokumentation zu den Pythons und einige Trailer. Da vor allem bei diesem Film die deutsche Synchronisation sehr gelungen ist, führt am Kauf dieser DVD für einen Filmliebhaber kein Weg vorbei.
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


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