Filmkritiken

Filme von Fritz Lang:

Langkritik Die 1000 Augen des D...
Langkritik M - eine Stadt sucht...

    ← [zurück]


Home | A-B | C-G | H-L
M-P | Q-S | T-Z | 0-9

Filmkritik Cabin Fever
Langkritik Ein Chef vom Verlieben
Filmkritik Chicago
DVD-Kritik China Strike Force
Filmkritik Chocolat
Langkritik Clash of the Titans
Filmkritik Cleopatra
Langkritik Clockstoppers
Filmkritik Crime is King
Filmkritik Crocodile Dundee 3
Langkritik Dagon
Filmkritik Dark Water
Filmkritik Das Medallion
Filmkritik Dead man
Filmkritik The Deep End
DVD-Kritik Depeche Mode - The V...
Langkritik Der Dicke in Mexiko
Langkritik Der Dicke und das Wa...
Langkritik Donnie Darko
Filmkritik Drive
Filmkritik Düstere Legenden 3 -...
Langkritik Ed Wood
DVD-Kritik Eiskalte Engel 2
Langkritik Elviras haunted hills
Filmkritik Erin Brokovich
Filmkritik The Escapist
DVD-Kritik Faszination altes Eu...
Langkritik Faszination Natur 2
Filmkritik Faust (1960)
Langkritik Ein Fisch namens Wan...
Langkritik Fist of Legend
Filmkritik Der Fluch der Karibik
Langkritik Frankenstein schuf e...
Filmkritik Freddy vs Jason
Filmkritik Friedhof der Kuschel...
Langkritik From Hell
DVD-Kritik Gangsters
Filmkritik The Gathering
DVD-Kritik Gattaca
DVD-Kritik Gegen die Zeit
Filmkritik Ghost Ship
Langkritik The Gingko Bed
DVD-Kritik Gladiator
Filmkritik Gothika
Filmkritik Gottes Werk und Teuf...
Filmkritik Der Graf von Monte C...
Langkritik The greatest places
Filmkritik Der Guru


265 Kritiken online

Seit dem 21.12.2003
Hits

„Ed Wood“

 Filmkritik   DVD-Infos   Filmdaten   Lesermeinungen 

PRO: brilliantes A-Movie über den König der B-Movies
PRO: in jeder Hinsicht sagenhaft: Filmmusik, schauspielerische Leistungen, s/w-Cinematografie, ...
PRO: liebevolle, umfassende und gehaltvolle Extraausstattung

Handlung:
Edward D. Wood ist besessen davon, wie Orson Welles seine eigenen Filme zu schreiben und zu drehen. Er hat eine Vision und eine Reihe motivierter Kollaborateure; was ihm leider fehlt, ist das Talent. Zudem hat er einige ungewöhnliche Neigungen, die sich vor allem um Angora-Pullover drehen...
Als er eines Tages den gealterten, einstigen Star Bela Lugosi trifft, scheint sich sein Glück zu wenden. Die beiden Männer verbindet bald eine tiefe Freundschaft, doch Lugosis große Zeit ist vorüber, er ist krank, drogenabhängig und verbittert. Ed Wood ist jedoch entschlossen, einen Film zu drehen, für den er für immer im Gedächtnis der Zuschauer bleiben wird.
Filmkritik:
Bereits vor einigen Jahren habe ich den Film zum ersten Mal gesehen. Er ist mir im Gedächtnis geblieben als ungeheuer faszinierender, äußerst schräger Blick hinter die Kulissen der Produktion von B-Filmen in den 50ern. Sozusagen ein A-Movie über B-Movies. Wer könnte je den Anblick vergessen, als Ed Wood in Frauenkleidern und mit Megaphon seine Dreharbeiten leitet? Ein Financier drückt ihm seinen Sohn als Hauptdarsteller aufs Auge und bestimmt, der Film müsse mit einer Explosion enden. Für einen anderen Film lässt er sich mit seiner gesamten Crew taufen, damit ihm eine Kirchengemeinde seinen nächsten Monsterfilm finanziert. Einfach unglaublich! Wollte man der Handlung als Zuschauer mittels Kopfschütteln gerecht werden, so würde dieser wahrscheinlich abfallen.
Faszinierend ist jedoch, dass es sich bei dem Film keineswegs um eine flache Komödie mit geskripteten 2 Lachern pro Minute handelt, sondern um eine Tragikkomödie mit einer Handlung, die in allen Kernpunkten auf realen Ereignisse basiert.

Der reale Ed Wood drehte tatsächlich zwischen 1950 und Ende der 70er Jahre unzählige Billigproduktionen, zu den bekanntesten zählen „Plan 9 from outer space“ und „Glen or Glenda“. Die Scripte schrieb er selbst im Handumdrehen und auch der eigentliche Dreh dauert meist nur wenige Tage. Der Film erlaubt uns daher einen Blick in eine Zeit, als Hollywood vom Studiosystem beherrscht wurde. Dort kam Ed Wood mangels Talent einfach nicht hinein. Seine Theaterproduktionen wurden verrissen, wenn er seine Filme als Bewerbung an Produzenten schickte, dachten diese, es hätte sich jemand einen Scherz erlaubt.

Seiner Begeisterung tat dies keinen Abbruch. Durch einen Zufall traf er auf den alternden Bela Lugosi. Lugosi, ungarischer Abstammung, hatte einst Anfang der 30er das Publikum als Dracula begeistert. Sein südländischer Charme, das gebrochene Englisch und die einzigartige Gestik hatten ihn perfekt für die Rolle gemacht, die er nie wieder loswurde.
Alt, drogenabhängig und exzentrisch wohnt er in einem kleinen Vorstadthaus und bekommt, auch wegen seines immer noch starken Akzentes, seit Jahren keine vernünftigen Rollen mehr. Er trauert der alten Zeit nach und hat noch immer nicht verwunden, dass er damals die Rolle des Frankenstein abgelehnt hatte, mit der dann Boris Karloff weltberühmt wurde.
Ed Wood begegnete nun seinem Idol und die Freundschaft und die gemeinsame Arbeit der beiden Männer entwickelt sich zum Hauptthema des Filmes, welcher mit Woods Theaterproduktionen beginnt und auf seinen bekanntesten Film und gleichzeitig auch Lugosis letzten, nämlich „Plan 9 from outer space“ („Plan 9 aus dem Weltraum“), hinarbeitet.

Die Bekanntheit Woods rührt daher, dass in den 80er Jahren ein Buch erschien, in dem Ed Wood zum schlechtesten Regisseur und „Plan 9 from outer space“ zum schlechtesten Film aller Zeit gekürt wurde. In Amerika liefen seine Filme öfters im Nachtprogramm und die trashigen Sci-Fi-Streifen, die mit ihrer Ernsthaftigkeit bei gleichzeitiger No-Budget-Ausführung nur noch lächerlicher wirken, haben in der Tat einen eigenartigen Charme. Sogar große Filmemacher wie Tim Burton (Regisseur von „Ed Wood“, „Batman“, ...) oder Sam Raimi („Evil Dead“, „Spider-man“) sind bekennende Ed Wood Fans.
So schlecht ist „Plan 9 from outer space“ nämlich eigentlich gar nicht. Mit seiner billigen Machart und Ed Woods 1-Take-Arbeitsweise strotzt er nur derart von Fehlern, dass es eine wahre Freude ist. Sets, die aussehen, als hätte sie ein Kind aus Pappe ausgeschnitten; Friedhöfe, wo einer der Darsteller aus Versehen stolpert und man sieht wie unter dem Rollrasen der Studiofußboden hervorschaut; ständige Wechsel zwischen Tag und Nacht; ... all dies macht einen riesigen Spaß, vor allem, weil sich der Film, wie bereits erwähnt, so ernst nimmt. Schon am Anfang des Filmes spricht der Hellseher Crisswell einen bedeutungsschwangeren Prolog: „Wir können dies nicht länger geheim halten...“ nur um dann eine Geschichte einzuleiten, in der Außerirdische die Welt erobern wollen, indem sie auf einem alten Friedhof Tote wieder zum Leben erwecken!
Bela Lugosis Rolle im Film ist eher klein. Die Anfangsszene, als er seiner verstorbenen Frau nachtrauert, ist in der Tat rührend und wirkt wie in einem anderen Zusammenhang gedreht. Hierfür bietet nun wiederum „Ed Wood“ eine Interpretation. Da Lugosi während der Dreharbeiten verstarb, wird er den Rest des Filmes von einem Mann von völlig anderer Statur (Ed Woods Chiropraktiker, bei dem er Schulden hatte) gespielt, der sich ständig mit einem Cape das Gesicht verdeckt, um nicht erkannt zu werden - einfach völlig absurd und gerade deshalb so lustig, weil der Film keinerlei Komik beabsichtigt.

In diese Welt des Filmemachers Ed Wood entführt uns also Tim Burtons Film. Er ist eine Liebeserklärung an Ed Wood und dessen große Passion für das Filmemachen. Betont wird dabei insbesondere die Freundschaft mit Bela Lugosi, die für das Leben beider Männer eine große Bedeutung hatte.
Die Umsetzung des Filmes ist ebenfalls sehr, sehr gelungen. Nicht nur, dass man sich glücklicherweise dazu entschloss, den Film in schwarz-weiß zu drehen, der Film beginnt auch Stilecht mit einem Prolog des Hellsehers Crisswell.
Selbst die Score des Filmes ist etwas ganz Besonderes. Sie enthält sowohl klassische Themen wie Tschaikowskis Schwanensee als auch einen klassischen Monsterfilm-Soundtrack, der die Mystik der Horrorfilme der 30er genial transportiert. Hierfür wurde ureigenst eine Musikerin aus Russland eingeflogen, die ein seltsames elektronisches Instrument, das Theremin, beherrscht. Dieses erzeugt die merkwürdigen elektronischen Klänge, die den Soundtrack so unverwechselbar machen.
Das Beste am Film sind freilich die Darsteller, allen voran Johnny Depp, der in der Rolle des fanatischen Filmemachers wieder einmal Höchstleistungen vollbringt. Aber auch Martin Landau als Bela Lugosi kann mehr als überzeugen, allein schon seine Sprechweise ist faszinierend, denn die Stimme Lugosis ist nun einmal bekannt und Landau schafft es, den Akzent Lugosis auf eine Weise wiederzugeben, die so klingt, als versuche er, den Akzent zu unterdrücken. Auch die legendäre Gestik und die schiere Präsenz Lugosis kann er auf eindrucksvolle Weise interpretieren. Er wurde dafür mit einem Oscar ausgezeichnet.

Der Vergleich mit dem Film „Shadow of the vampire“ liegt recht nahe. Beide Filme beschäftigen sich mit dem Dreharbeiten zu einem legendären Film. Bei „Shadow of the vampire“ geht es um Murnaus legendäres Werk „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“. Die erzählte Geschichte ist in wesentlich stärkerem Maße fiktiv als bei „Ed Wood“, beide Filme beziehen jedoch ihre große Faszination daraus, dass sie einen Blick auf die Macher und hinter die Kulissen eines Werkes liefern, das viele Menschen lieben. Interessanterweise haben beide Filme auch einen Oscar für das beste Make-Up gemeinsam.
Zur Vertiefung der Thematik empfiehlt sich neben anderen Werken von Ed Wood, die es ebenfalls auf DVD gibt, speziell die in Australien und Großbritannien erhältliche Special Edition von „Plan 9 from outer space“, die neben dem herrlichen Film auch eine ausführliche Dokumentation enthält. Auf diese Weise kann sich der Zuschauer ein eigenes Bild vom Schaffen des Königs der B-Movies machen.
Bildqualität:
Das Schwarz-Weiß-Bild hat ein permanentes, leichtes Hintergrundrauschen, überzeugt jedoch durch exzellente Schärfe und sehr gute Detailzeichnung. Die Kompression ist ebenfalls recht gut gelungen. Nur selten sind, vor allem in dunklen Szenen, leichte Artefakte erkennbar. Verunreinigungen fallen kaum ins Gewicht, nur flackert das Bild in manchen Außenszenen ein wenig.
Insgesamt stellt das Bild aber zufrieden, in besserer Qualität wird man den Film wohl kaum jemals sehen. Der Konstrast ist sehr gut und das Bild so scharf, dass man sogar an manchen Stellen den Film anhalten und die kurz eingeblendeten, kleinen Zeitungsartikel problemlos lesen kann.
Tonwertung:
Die DVD bietet sowohl die deutsche Tonspur als auch den Originalton in Dolby Digital 5.1. Leider ist der Ton eher unspektakulär ausgefallen und beschränkt sich größtenteils auf die vorderen Kanäle. Die Score breitet sich auch auf die Surroundkanäle aus und kommt so noch besser zur Geltung. Leider ist die Abmischung aber insgesamt sehr zurückhaltend. Nur selten gibt es auch Surroundeffekte. Ansonsten legt der Film nicht so sehr viel Wert auf den Sound, aber die Sprachverständlichkeit und die Stereofront sind einwandfrei.
Die deutsche Synchronisation wartet mit guten Sprechern auf, enttäuscht dann aber doch gewaltig. Wenn etwa Lugosi von Crisswell Wein angeboten bekommt und völlig in-character antwortet „I never drink… wine“, dann kommt dieser Insiderjoke im Deutschen aufgrund völlig falscher Betonung überhaupt nicht an. Auch das geniale „Pull the string“ wirkt hier gar nicht, weil in der Synchro nur irgendetwas von Marionetten gefaselt wird. Schon aufgrund der genialen und Oscar-prämierten, auch stimmlichen Darbietung von Lugosi-Darsteller Martin Landau rate ich dringend zum Originalton.
Bonusmaterial:
Ursprünglich sollte die DVD in den USA bereits im August 2002, nahezu ohne Ausstattung, erscheinen. Glücklicherweise entschloss man sich, dennoch eine Extraausstattung zu produzieren, wodurch sich der DVD-Start um etwa 2 Monate verschob. Dies hat sich aber mehr als gelohnt. Angefangen bei der tollen Präsentation der DVD (Zuschauer sitzen in einem Kino, in den Überblendungen zwischen den Menüs jubeln sie oder werfen mit Popcorn, usw.; dazu sind die Menüs mit der tollen Filmscore unterlegt) bis zum Gehalt des Bonusmaterials: hier stimmt einfach alles! Nun ist die DVD endlich auch in Deutschland erhältlich. Leider hat das Cover durch den hässlichen Silberrand seine Eleganz verloren und ein Booklet gibt es auch nicht.

Wichtigstes Extra ist der sehr informative Audiokommentar mit Regisseur Tim Burton, Martin Landau, den Drehbuchautoren, Kameramann und Kostümdesignerin. Lugosi-Darsteller Martin Landau moderiert in seinem tollen ungarischen Film-Dialekt die einzelnen Sprecher an. Hauptsächlich sprechen die Autoren, sie gehen sehr genau auf die jeweiligen Szenen, ihre Entwicklung, die Zusammenarbeit mit den Schauspielern und den Bezug zur realen Vorlage ein. Hier und da kommen auch andere Personen zu Wort, deren Kommentare beziehen sich auch auf die jeweils zu sehende Szene.
Doch damit hat man es noch lange nicht bewenden lassen. Zuerst wäre da ein so genanntes Making Of, im Original „shoot this f#*%@r!“ genannt, welches eigentlich nur ein kleiner Blick hinter die Kulissen ist. Dieses ist trotz 14-minütiger Länge sehr kurzweilig und interessant. Man bekommt zu sehen, wie Tim Burton die Schauspieler führt und Johnny Depp führt stilecht mit leicht derangierten Statements in dieses Feature ein.
Kinotrailer und Musikvideos sind ebenfalls interessante Dreingaben, wirklich interessant sind dann aber die 4 Featuretten über das elektronische Instrument Theremin aus Rußland, welches für die Score verwendet wurde, die Darstellung und das Makeup von Bela Lugosi, Cross-Dressing und die Ausstattung. In den etwa 40 Minuten erfährt man, fernab von den üblichen Werbefeaturetten, eine Menge über viele Aspekte des Filmes.
Gesamturteil:
Selten hat mich ein Film gleichzeitig derart begeistert, unterhalten und bewegt. Man freut sich mit dem Regisseur wie ein Kind, wenn er die fliegenden Untertassen über die Miniatursets fliegen lässt, leidet, wenn der einst große Lugosi alt und schwach auf seinem Bett sitzt und lacht, wenn Wood selbst übelst gespielte Szenen begeistert bejubelt.
Bereits im November letzten Jahres hatte ich das Vergnügen, die hervorragende britische DVD zu Tim Burtons Meisterwerk zu rezensieren. Nun liegt endlich auch eine deutsche DVD vor, die glücklicherweise sowohl deren Menügestaltung als auch die umfassende Extraausstattung übernimmt und zusätzlich noch die deutsche Synchronisation mitbringt. Ein Pflichtkauf für jeden Cineasten!
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


Hitflip - 1 DVD gratis

  Falls Ihnen diese kostenlose Website gefällt, dann können Sie uns unterstützen, indem Sie für ihre Bestellungen im Shop von Amazon.de in Zukunft einen der Amazon.de-Links von dieser Website benutzen. Sie müssen dabei nichts Besonderes beachten, es zählt nur, dass Sie über einen unserer Links auf die Amazon-Website gelangt sind. Vielen Dank!
Klicken Sie hier, um den Amazon-Link zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.
 

Ed Wood (1994)

Regie: Tim Burton
mehr...

Wertungen
Film:
Bild:
Ton:
Extras:
Fazit:
<- mehr


Werbung: