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265 Kritiken online

Seit dem 21.12.2003
Hits

„Animatrix“

 Filmkritik   DVD-Infos   Filmdaten   Lesermeinungen 

PRO: viele Animationshighlights und Hintergrundinfos für Matrix-Fans
CONTRA: allerdings animations- und storytechnisch stark schwankende Qualität
PRO: hochwertiges Extramaterial und Top-Qualität

Filmkritik:
Pünktlich zum Filmstart von „Matrix Reloaded“ starten die Matrix-Macher eine große Kampagne, u.a. in Form von 9 Kurzfilmen, die man Stück für Stück im Internet downloaden konnte, im Kino teilweise als Vorfilm und mittlerweile sogar im TV gelaufen sind. Nun gibt es sie auch auf DVD.
Die Matrix als Anime? Wie passt das zusammen? Nun, nicht nur der Look der Matrix-Trilogie basiert auf japanischen Animes, sondern auch die sozialkritische Handlung. Berühmte Animes wie „Akira“ oder „Ghost in the shell“ bieten ein vergleichbar düsteres Endzeitszenario und die coolen Einstellungen und ungewöhnlichen Perspektiven, aus denen speziell der erste Matrix-Film besteht, sehen nicht nur aus wie ein Anime, sondern das ganze Filmskript ist mit einem Manga vergleichbar.
Was lag also näher, als im Zuge der Vermarktung der megateuren Nachfolger eine Aktion zu starten, mit der japanische Animateure die Möglichkeit erhalten, eine Geschichte rund um die Matrix zu erzählen und Details und Hintergründe herauszuarbeiten, für deren Erklärung in den Filmen nicht genug Zeit bleibt.

Für wen ist also die „Animatrix“ interessant? Da wäre zunächst die Zielgruppe der Fans der Kinofilme. Diese werden hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. In mehreren Geschichten werden nicht nur Vorgeschichten erläutert, sondern auch neue Figuren eingeführt. Die wichtigste Rolle spielt hier „The Kid“, welcher ohne die Kenntnis des entsprechenden Kurzfilms im zweiten Teil der Matrix nur eine nervige Nebenrolle darstellt. „Kid’s Story“ erzählt von seiner Flucht aus der Matrix, seinen besonderen Fähigkeiten und klärt vor allem die Frage, warum Neo so genervt darauf reagiert, dass Kid ihm für seine Rettung dankt. „World Record“ zeigt dann auch noch einen ganz anderen Weg, aus der Matrix auszubrechen.
The Second Rennaissance“ ist eine Art zweiteiliger Dokumentation im Anime-Format, welche etwas ausführlicher die Geschichte erzählt, die Morpheus Neo im ersten Kinofilm vermittelt − den Aufstand der Maschinen, die furchtbare Rache der Menschen und die Endkonsequenz. „The final flight of the Osiris“ stellt dann die unmittelbare Vorgeschichte zum 2. Teil der Matrix-Trilogie dar und handelt vom Schicksal eines Schiffes im Angesicht des Angriffes tausender Maschinen auf die unterirdische Stadt Zion.

Natürlich ist „Animatrix“ auch für Anime-Fans interessant. Auf sie wartet hier eine wahre Fundgrube verschiedener Animationsstile. „The final flight of the Osiris“ stammt von den „Final Fantasy“-Machern und bietet perfekte Computergrafik in sensationeller Qualität. Wenn am Anfang ein Captain und eine hübsche Dame einen Sparring-Kampf mit dem Katana in der Matrix austragen, dann sprühen nicht nur bei den sich berührenden Klingen die Funken. In einer perfekten Synthese aus Schnitt, Vertonung und perfekter Optik bis hin zur ausgefeilten Mimik der Darsteller bekommt man hier etwas ganz besonderes geboten.
Die anderen Filme sind mehr oder weniger klassische Animation in 2D und 3D, aber auch hier ist man auf der Höhe der Zeit. Die Grafik hat ungeheuer flüssige Bewegungen, es gibt psychedelische Flüge in der Welt des Computers hinein und beeindruckende Traumsequenzen mit Schärfentiefe- und Bewegungsunschärfeeffekten. „In Matriculated“ wird das dann auf die Spitze getrieben.

Zu guter letzt wäre da noch die Zielgruppe der Zuschauer, die sich weder zu den Matrix-Fans zählen, noch große Anime-Fans sind. Hier steckt auch die Crux der Sammlung. Als Nicht-Matrix-Begeisterter kann man einfach nicht darüber hinweg sehen, dass vor allem die inhaltliche Qualität der Filme sehr unterschiedlich ist. Kurzfilme müssen ihre Handlung prinzipgemäß in sehr kurzer Zeit auf den Punkt bringen. Hier hilft man sich oft damit, Fakten aus dem Kinofilm bereits vorauszusetzen. Wer die Filme nicht kennt, dem wird also entweder die Grundlage etwas fehlen oder er sieht sich mit einem Filmende konfrontiert, welches für ihn eher unbefriedigend und nichts sagend ist.
Aber einige der Kurzfilme sind durchaus auch für sich allein stehend interessant. „Detective Story“ ist zwar etwas kurz geraten, ist jedoch ein recht reizvoller Film. Auch „Program“ ist ein in sich geschlossener und recht überraschender Kurzfilm. Am gelungensten ist jedoch „Beyond“, wo es um eine Katze und ein „Spukhaus“ geht. Schade, dass gerade der visuell beeindruckendste Film, „The final flight of the Osiris“, storymäßig für sich allein eher weniger überzeugen kann.
Bildqualität:
Wie zu erwarten variiert die Bildqualität bei den unterschiedlichen Kurzfilmen, das Bildformat liegt für alle Filme bei 2.35:1 und wurde anamorph codiert. Bei „Detective Story“ gibt es beispielsweise hier und da Zeilenflimmern und auch die Kompression macht sich hier und da durch eine eingeschränkte Detailfülle bemerkbar.
Dennoch ist die Qualität durchgängig auf sehr hohem Niveau und lässt beim Großteil der Filme überhaupt nichts zu wünschen übrig. Analoge Bildfehler sind nirgends zu beobachten, Kompressionsartefakte sind nur bei Schrifteinblendungen minimal sichtbar, hier hat wahrscheinlich die Bitrate nicht ganz gereicht.
The final flight of the Osiris“ wirkt am perfektesten und bietet eine sensationelle Schärfe und kräftige Farben. Auch die anderen Filme haben saubere Konturen und ein gestochen scharfes Bild. Insgesamt also ein sehr gutes Ergebnis.
Tonwertung:
Bei der Abmischung hat man sich ordentlich ins Zeug gelegt. Sowohl die deutsche als auch die englische Sprachfassung liegen in Dolby Digital 5.1 vor. Wenn auf dem Bildschirm Action angesagt ist, dann bringt auch die Surroundabmischung Leben ins Wohnzimmer. Nicht nur die Score sondern auch Umgebungsgeräusche und gelungen positionierte Splitsurroundeffekte machen viel Freude. Auch der Subwoofer kommt ordentlich zum Einsatz. Hier gibt es also viele Vorteile etwa zur Internet-Version zu vermelden. Die deutsche und englische Sprachfassung unterscheiden sich weder von der Klangcharakteristik noch von der Surroundabmischung merklich.
Bonusmaterial:
Die Extras sind sehr hochwertig. Zu 4 Kurzfilmen gibt es einen Audiokommentar, welcher zwar auf Japanisch gesprochen wird, jedoch mit optionalen Untertiteln in mehreren Sprachen aufwarten kann. Über den Macher informieren 2 Texttafeln.
Sehr ausführlich wird in einem einstündigen Making Of auf die Herstellung der Kurzfilme eingegangen und in einer anderen, etwa 23-minütigen Dokumentation geht es um die Geschichte der Animes im Allgemeinen. Das Gebotene ist durchweg interessant, die Anime-Doku bietet viele Filmausschnitte aus Genreklassikern und Interviewschnippsel. Zuletzt ist noch ein Werbetrailer zum „Enter the Matrix“-Computerspiel enthalten.
Gesamturteil:
Die „Animatrix“ ist eine Sammlung von 9 Kurzfilmen im Universum der Matrix, welches von durchwachsener Qualität ist, für Fans der Kinofilme und auch Anime-Fans jedoch unbedingt einen Blick wert ist - für die einen zur Vertiefung, für die anderen stilistisch. Für alle anderen Zuschauer bieten die Filme jedoch zu wenig, nur einige wenige Kurzfilme können für sich allein gesehen begeistern.
Die DVD bietet eine sehr gute Qualität und hochwertige Extras - Fakten, der bei Gefallen den Kaufpreis auf jeden Fall rechtfertigen.
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


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Animatrix: Final Flight of the Osiris, The (2003)

Regie: Andy Jones
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