Filmkritiken

Filme von Ron Howard:

Langkritik A beautiful mind

    ← [zurück]


Home | A-B | C-G | H-L
M-P | Q-S | T-Z | 0-9

DVD-Kritik Die Abrafaxe
Langkritik Aguirre - Der Zorn G...
Filmkritik Amadeus
Filmkritik Amelie
Filmkritik American Pie 3
Filmkritik Anatomie 2
Filmkritik Andromeda
Langkritik Animatrix
Filmkritik Anna und der König
Langkritik Asterix bei den Briten
Langkritik Auf der Jagd nach de...
Langkritik Der Auslandskorrespo...
Filmkritik Avalon
Filmkritik Babylon 5 - Der Fluß...
Langkritik Babylon 5 - Staffel 1
Langkritik Babylon 5 - Staffel 2
DVD-Kritik Ballistic - Ecks vs ...
Langkritik BAP - Övverall
Filmkritik Battle Royale
Filmkritik Battle Royale 2
Langkritik A beautiful mind
Filmkritik Bekenntnisse einer H...
Filmkritik Bend it like Beckham
Filmkritik Beyond Re-Animator
DVD-Kritik Beyond the Movie - L...
DVD-Kritik The big one
Filmkritik Blade 2
Filmkritik Blade Trinity
Filmkritik Blue Crush
Filmkritik Blue Steel
Filmkritik Der blutige Pfad Got...
DVD-Kritik Born to die
Filmkritik The Bourne Identity
Filmkritik Bowling for Columbine
Langkritik Braveheart
DVD-Kritik Bridget Jones - Scho...
Filmkritik Bridget Jones - The ...
Filmkritik Bruce Allmächtig
Filmkritik Buffy - Staffel 1
Filmkritik Bulletproof Monk


265 Kritiken online

Seit dem 21.12.2003
Hits

„Aguirre - Der Zorn Gottes“

 Filmkritik   DVD-Infos   Filmdaten   Lesermeinungen 

PRO: beeindruckender und intensiver Film über Besessenheit von einem Besessenen
PRO: hochinteressanter Audiokommentar
PRO: ordentliche Restaurierung und engagierte Aufbereitung für die DVD
CONTRA: Making Of quasi nur separat erhältlich in Form der Doku „Mein liebster Feind

Handlung:
Im Jahre 1560 haben die Spanier Mexiko längst erobert und die Inkas besiegt. Die ihrer Schätze und Kultur beraubten Indios ersinnen die fiktive Geschichte vom sagenumwobenen El Dorado, der Stadt aus Gold mitten im Urwald, wohl wissend, dass die von der Gier getriebenen Eroberer in den unendlichen Weiten des Amazonasgebietes nichts außer den Tod finden würden.
Unter ihrem Führer Pizarro macht sich eine riesige Anzahl spanischer Eroberer auf, El Dorado zu finden. Mit ihnen ziehen tausende Indios als Sklaven, sowie Schweine, Pferde, Sänften und Kanonen über die Gipfel der peruanischen Anden.
Pizarro entschließt sich, eine kleine Truppe von 40 Leuten mit 3 Flössen als Spähtrupp loszuschicken. Ihr Anführer wird Don Pedro de Ursua, mit ihm gehen seine Frau Donna Inez, ein Missionar, Don Lope de Aguirre mit seiner 15-jährigen Tochter als stellvertretender Anführer und eine Handvoll auserwählter Männer. Dass Aguirre unberechenbar und größenwahnsinnig ist, merken die Männer schnell, doch keiner ahnt, wie weit er zu gehen beabsichtigt...
Filmkritik:
Aguirre, der Zorn Gottes“ ist das erste gemeinsame Werk des deutschen Regisseurs Werner Herzog mit seinem Star und Freund/Feind Klaus Kinski. Schon die erste Kollaboration dieser beiden Besessenen zeichnet sich durch das aus, was auch ihre weitere Zusammenarbeit prägen wird:
Kinski spielt nicht, er IST Aguirre. Hier schaut man keinen Film, der durch eine raffinierte Handlung oder Actionszenen einfach leidlich unterhält, nein, der Film hat ganz andere Stärken. Kinskis Präsenz ist schier unglaublich, das Gefühl der Bedrohung durch diese schlummernde Bestie scheint förmlich auf den Zuschauer überzugreifen. Ohne dass es Wutausbrüchen bedarf (diese fanden bei diesem Film ohnehin zumeist hinter der Kamera statt und das zur Genüge; Herzog musste Kinski zum Ende des Filmes mit dem Tode bedrohen, um zu verhindern, dass dieser den Drehort verließ) spürt der Zuschauer sofort, mit welch gefährlichem Mann er es hier zu tun hat.
Wenn die unterschwellige Gewalt doch einmal hervorbricht und Aguirre z.B. seine Männern antreibt, so ist auch hier die Trennung Kinski/Aguirre kaum möglich, wie Herzogs Kommentar zu einer Szene beim Angriff auf ein Eingeborenendorf beweist. Mit seinem Schwert schlägt Kinski einem Schauspieler in wilder Raserei auf den Kopf, der zum Glück durch einen Helm geschützt war und verletzt ihn dabei schwer.

Herzogs Aufbegehren als Autodidakt ist ebenfalls überall spürbar. Man merkt, dass er die Natur liebt und er zeigt dies in schönen Bildern von Schmetterlingen und Faultieren. Massen von Statisten, Hühnern und Schweinen laufen durch den Morgennebel im Gebirge, man schiebt Kanonen und trägt Sänften durch den Schlamm. Der Regisseur vermeidet dabei immer bewusst malerische Postkartenmotive, vielmehr kommt der Natur geradezu der Stellenwert eines Characters zu. Jede Einstellung hat eine sinnbildliche Bedeutung und er scheint mit seinem Schnittrhythmus förmlich gegen gängige Macharten ankämpfen zu wollen.
Wenn er z.B. bestimmte Einstellungen länger als gewöhnlich hält, die gewohnte auflockernde bzw. einführende Totale eben nicht kommt und Dingen, die ein Hollywoodregisseur ausgebeutet hätte, wie z.B. der Kanonenschuss auf das Boot oder die Ermordung einiger Männer durch Eingeborene, eher wenig Bedeutung zukommen, so hat man das Gefühl, doch etwas Besonderes und Ungewohntes zu sehen. Dies hebt den Film wohltuend vom Gängigen ab. Unterstützt wird die Stimmung des Filmes durch die schöne und sehr passende Score, die stilistisch ähnlich zu den anderen Herzog/Kinski-Filmen ist.

Ständig ging mir vor allem ein Gedanke durch den Kopf: Ein Film, in dem hunderte bepackter Statisten einen rutschigen Bergpfad in schwindelerregender Höhe herunterklettern, Pferde von Flössen geworfen werden und die Crew ohne Netz und doppelten Boden mit von Einheimischen gebauten Flössen durch Stromschnellen fährt, wäre heutzutage wahrscheinlich niemals mehr machbar. Zu vielen Zwängen wäre der Filmemacher unterworfen; Zwängen, denen sich ein Perfektionist wie Herzog nie unterwerfen würde. Seine Filme haben eine ungeheure Detailfülle und sehen real aus, weil sie unter realen Bedingungen erschaffen worden sind.
Man kann nur erahnen, welch ungeheure Besessenheit der Regisseur gehabt haben muss, der monatelang mit 450 Indios zusammen in einer Scheune schlief, aus Geldmangel Schuhe und Uhr verkaufen musste, den Verlust von Flößen und Ausrüstung durch ein Ansteigen des Flusses einfach in Minutenschnelle ins Drehbuch einbaute, sich mit Kinskis Launen herumschlagen musste und einfach alles tat, um seinen Film drehen zu können.
Diese ungeheure Intensität und Begeisterung ist spürbar, hier gibt es keine Halbwahrheiten, keine 30mal wiederholten, gestelzten Spielszenen mittelmäßiger Darsteller, alles ist hart und gnadenlos wie der Regenwald, der den Spaniern in Form gesichtsloser Eingeborener das Leben raubt. Die Kamera ist immer bei den Männern, hält nie Distanz in Form von Hubschrauberaufnahmen, etc. Hier ist alles echt.

Gedreht wurde Werner Herzogs 6. Spielfilm, wie die anderen Filme zuvor, mit einer 35-mm-Kamera, die er von der Münchener Filmschule entwendet hatte. Mit einem Budget von nur 360.000 Dollar schuf der Autor und Regisseur hier ein Meisterwerk, welches ihn als einen DER deutschen Autorenfilmer etablierte. Wenngleich der Film gerade in Deutschland bei seiner Veröffentlichung eher geschmäht wurde, so war es doch vor allem „Aguirre“, der Herzog seinen internationalen Durchbruch verschaffte.
Wer sich für deutsche Autorenfilme interessiert, wen Klaus Kinskis charismatische Darstellung schon immer fasziniert hat oder wer einfach einmal einen Film sehen möchte, der sich fern vom Kommerz bewegt und mit seiner Geschichte um Wahnsinn und Besessenheit eine ganz intensive Stimmung aufbaut, der sollte „Aguirre“ auf jeden Fall eine Chance geben. Als erste Zusammenarbeit von Klaus Kinski und Werner Herzog ist der Film einer ihrer besten und auf jeden Fall der ursprünglichste.
Bildqualität:
Das Bild liegt im Vollbildformat vor. Zwar sieht es an einigen wenigen Stellen etwas beschnitten aus, es handelt sich jedoch um das vom Regisseur gewollte Format. Die Bildqualität ist wirklich sehr gut − erstaunlich, was Anchor Bay aus dem mit primitiven Mitteln gefilmten Material herausgeholt hat.
Dropouts sind fast keine vorhanden, das Bild ist sehr scharf, detailreich und auch die Farben sehen sehr natürlich und nicht übersättigt aus. Den ganzen Film über ist ein leichtes Rauschen vorhanden, welches jedoch aufgrund des Alters des Filmes (1972!) eher natürlich ist.
Rauschen führt oft dazu, dass bei schlechtem Encoding oder zu geringer Bitrate Artefakte auftreten. Dies ist hier die absolute Ausnahme. Die Alternative, Rauschfilter mit den damit verbundenen Nachteilen wie Unschärfe bzw. Nachzieheffekte, wäre weitaus schmerzlicher gewesen. Daher kann man mit dem Bild hochzufrieden sein.
Auch der Schwarzwert ist ausgezeichnet. Nur an einigen Stellen ist das Bild leicht unscharf, was jedoch mit Sicherheit am Ausgangsmaterial liegt. Dies ist auch an einigen Stellen zu sehen, wenn z.B. Wasserspritzer auf dem Kameraobjektiv sind. Das trägt jedoch eher zur Stimmung des Filmes bei als dass es stört.
Tonwertung:
Der deutsche O-Ton wurde zwar in Dolby Digital 5.1 neu gemastert, aber von Surroundeffekten gibt es natürlich nicht viel zu hören. Dafür ist die Sprachverständlichkeit jedoch sehr gut. Auf den Surroundkanälen sind größtenteils Musik und Atmosphäre zu finden. Die deutsche Dolby Surround-Spur ist hier sogar noch etwas aufdringlicher als die 5.1-Spur. Grundsätzlich sind beide etwa gleichwertig, auch wenn sich die Klangcharakteristik geringfügig unterscheidet. Störgeräusche oder ähnliches treten nicht auf.
Englischer Ton liegt nur in mono vor. Diese Tonspur ist jedoch überhaupt nicht zu empfehlen, denn einerseits ist die Originalsprache des Filmes deutsch und andererseits klingt die Monospur wirklich sehr schlecht. Dynamik ist nahezu nicht vorhanden und der gesamt Klang ist sehr dumpf.
Bonusmaterial:
Von einem 30 Jahre alten Independent-Film kann man natürlich kein umfangreiches Bonusmaterial erwarten, daher ist es schon hoch anzuerkennen, dass Anchor Bay hier ein liebevoll animiertes Menü gestaltet hat, welches auch schöne, vertonte Überblendungen bietet.
Informationen zu Werner Herzog und Klaus Kinski sind in Form von Texttafeln mit Informationen über ihre Laufbahn und ausgewählten Filmographien verfügbar. Der Trailer liegt in deutsch und englisch vor und als wichtigstes und sehr hochwertiges Extra gibt es einen Audiokommentar.
Werner Herzog wird hier von einem Moderator teils szenenbezogen, teils allgemein über den Film befragt und was er erzählt ist hochinteressant und besser als jedes Making Of. Die Anzahl der geradezu unglaublichen Anekdoten ist unüberschaubar. Noch wichtig zu bemerken: Der Audiokommentar liegt, trotz dem es sich um einen deutschen Film handelt, in englischer Sprache vor.
Ergänzend zum Film (und prinzipiell zu allen Herzog/Kinski-Filmen) ist natürlich die brillante Dokumentation „Mein liebster Feind“ / „My best fiend“ zu empfehlen, die ebenfalls von Anchor Bay, als separate DVD oder als Teil der Herzog/Kinski-Box, erhältlich ist. Hier bereist Werner Herzog noch einmal die Drehorte und neben vielen Anekdoten gibt es auch Interviews mit den ehemaligen Darstellern.
Gesamturteil:
Der erste gemeinsame Film von Werner Herzog und Klaus Kinski bedeutete den Durchbruch für Autor und Regisseur Herzog und hat bis heute nichts von seiner Intensität und Ursprünglichkeit verloren, auch wenn der Film die breite Masse der Zuschauer sicher nicht ansprechen wird.
Anchor Bay hat eine DVD produziert, die mit passend animierten und vertonten Menüs schön auf den Film einstimmt, eine für das Alter solide Grundausstattung bietet und für Cineasten spätestens mit dem genialen Audiokommentar des Regisseurs zum Must-Have-Titel wird. Technisch wurde die DVD mit restauriertem Bild und Ton ebenfalls solide umgesetzt.
Eines muss ich hier ganz einfach noch bemerken: Es ist schade, dass sich in Deutschland kein Studio der Filme von Werner Herzog und Klaus Kinski annimmt, wogegen man in den USA so engagiert ist, dass man sogar eine kleine Extraausstattung produziert und Werner Herzog für Audiokommentare ins Studio holt.
Diese Kritik wurde verfasst von Dirk Schönfuß.


Hitflip - 1 DVD gratis

  Falls Ihnen diese kostenlose Website gefällt, dann können Sie uns unterstützen, indem Sie für ihre Bestellungen im Shop von Amazon.de in Zukunft einen der Amazon.de-Links von dieser Website benutzen. Sie müssen dabei nichts Besonderes beachten, es zählt nur, dass Sie über einen unserer Links auf die Amazon-Website gelangt sind. Vielen Dank!
Klicken Sie hier, um den Amazon-Link zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.
 

Aguirre, der Zorn Gottes (1973)

Regie: Werner Herzog
mehr...

Wertungen
Film:
Bild:
Ton:
Extras:
Fazit:
<- mehr


Werbung: